Kammermusikalischer Jazz oder
Das metaphorische Buch des Mitklingens. Eine Leseprobe.
Die Titel im Detail
Chapter 1
Das Buch öffnet sich. Eine knappe Skizze des Inhaltverzeichnis ertönt. Wir
werden hören: solistisches Piano, zeitgenössische Musik zwischen Klassik und
kammermusikalischem Jazz, der sich im zeitgenössischen Gewand kleidet.
Chapter 2
Ruhiger Jazz mit präpariertem Piano: Sphären, stille Räume, weite Flure. Kuba
Płużeks perlende Anschläge schaffen erst Töne, dann Kaskaden von Tonfolgen,
die in dichten Tontrauben münden. Jetzt ist kein Pianissimo angesagt, sondern
Piano Power Play, das sich am Ende mit luftigen Sequenzen verabschiedet.
A chtoz tam puka (pt. I)
Ein sehr kurzes Stück zum Warmspielen, zum Warmhören? Oder zum
Überbrücken der Handlung? Sphärische Welten, in die einzelne, kecke Tonfolgen
Thema wie Hörer necken wollen? Oder soll nur Neugierde und Spannung auf den
kommenden Titel erzeugt werden? Es bleibt geheimnisvoll und obliegt den
Hörenden, die Dramaturgie des Buches und seiner Musik zu entdecken.
A chtoz tam puka (pt. II)
Titel und Frage könnten auch lauten: Darf es ein wenig Chopin sein? Ja, aber nur
ein wenig, so die Antwort von Kuba Pluzek. Das klingt zunächst ziemlich nach
klassischer Klaviermusik: gerade Rhythmen, vertraute harmonische Auflösungen
der Melodien. Aber bald darauf gerät der Pianist mit samt seinem Piano voll ins
Swingen. Kräftig, ja gewaltig, wird in die Tasten gehämmert, besonders die linke
Akkordhand langt ordentlich zu. Der Bösendorfer-Flügel kann zeigen, was an
Volumen und Tiefe in ihm steckt. Da kommt kein anderer ran. Ein markanter
Rhythmus sucht sich knallend seinen Weg aus dem Flügel, will um jeden Preis
gehört werden. Jetzt ist eine Spielweise zu hören, die sich zwischen den
Spannungspolen swingender Jazz und akzentuierter neuer Musik bewegt. Dabei
stecken in den Fingern und im Sound viel Groove.
Chapter 3
Es deutet sich ein längeres Statement an. Zu Beginn ertönt eine Einstimmung in
die schon vertrauten sphärischen Welten. Was mag noch kommen? Einzelne
Akkorde, dann einzelne Tastenanschläge, dann ganze Sequenzen, ein Motiv
scheint sich aufzubauen. War da nicht so eine Bachsche Figur? Wohl getäuscht,
denn mit Stille schreitet die Musik voran. Nein, schreiten ist nicht korrekt, sie
fließt in sanften Strömen mit dezenten Akkorden, mit behutsamen Linien. Aber
genug. Nun soll Bewegung in die Musik gebracht werden: schlagkräftige Akkorde
der linken und energische Läufe der rechten Hand erspielen einen dramatischen
Piano-Sound – der solistische Flügel als kleinste Big Band der Welt.
Chapter 4
Wenige Tasten werden geschlagen, ein präparierter Sound - von wem oder was auch immer generiert – wird sphärisch eingespeist. Ein sparsames Kapitel, das
wohl überleiten soll.
Chapter 5
Das 5. Kapitel kann eine Geschichte erzählen. Die kommt recht aussagekräftig
daher, will mit viel Energie berichten, es nicht nur bei balladenhaften Anklängen
belassen, sondern hat auch Spannung und jede Menge Dramatik im akustischen
Gepäck. Die Akkorde des Bösendorfers hämmern sich dem Hörer unbarmherzig
in Ohr und Kopf, erzählen eine eigenwillige, tieflagige Geschichte. Was für
Freunde einer dramatischen Lyrik.
Chapter 6
So wie das vorige Kapitel aufgehört hat, geht es munter weiter. Wilde Akkorde,
akzentuierte Rhythmen, schnelle Läufe, dann der Bruch: verhaltene Töne, ein
Suchen nach dem Thema, ausloten, ausprobieren, verharren. Was kommt
danach? Ein Variieren in elektronischen? Hintergrund-Sounds. In diesen nur
begleitenden Klang stoßen die Tasten des akustischen Pianos, erspielen sich
Figuren aus dem Reichtum seiner individuellen Technik und Spielweise.
Two Little Hearts
Ein zartes Piano: nur wenige Anschläge, das Thema suchend, einzelne Akkorde
findend. Ein zerbrechliches Motiv schält sich heraus: lyrische Impressionen, tiefe
Saiten als Verstärkung. Fragil entspringen die wenigen Klänge dem ResonanzKörper des großen Konzertflügels. Das Thema nimmt allmählich Gestalt an, dann
Fahrt auf, ohne dabei den kammermusikalischen Charakter zu verlieren. Die
Musik verklingt, das Buch schließt sich …
Autor: Cosmo Scharmer