
Lorenz Kellhuber Trio - Album Low Intervention Zeitgenössischer Trio-Jazz der kreativen Stille
Repräsentative Titel im Detail
Part 1
Ruhige Bass-Linien, wenige nur „an“-gezupfte Figuren, dazu sparsames Drumming, einige verhaltene Akkorde des Pianos. Die Musik, das Spiel des Trios ist noch in einer Such-und-Finden-Phase. Bei einem Live-Konzert wäre es der Auftakter zum Warmspielen, zum Warmhören fürs Publikum. Dann kristallisiert sich ein zerbrechliches Thema heraus, in aller Vorsichtig. Kammermusikalische Anschläge, mehr Ruhe als Bewegung, dergestalt haucht sich der Titel sanft aus.
Lorenz Kellhuber – Piano
Felix Henkelhausen- Bass
Moritz Baumgärtner - Drums
Part 2
Piano und Drums werfen sich einzelne thematische (Bruch)Stücke zu, fangen sie gelassen auf, lassen sie zurückprallen. Hier und da lässt sich der Bass mit sorgsam austarierten Tönen vernehmen. Alles wirkt fein abgestimmt, die Maxime könnte lauten: Weniger ist mehr. Das Piano ergeht sich indessen in etwas frei aufspielenden Läufen, die sich hinsichtlich Ausdruck langsam steigern. Swingende Betonungen im Verbund mit Walking-Bass-Figuren und dem gegentaktig wirkenden Schlagzeug verschaffen dem Song eine subtile, dramatische Spannung. Lorenz Kellhuber wechselt von Läufen zu akzentuierter und härter angeschlagenen Akkorden, in die Drummer Moritz Baumgärtner, seinen Freiraum nutzend, diese mit Wirbeln und Breaks auffüllt. Ein wenig Bass verhallt einsam im Raum. Das Piano verstummt, überlässt dem Schlagzeuger sein Solo. Die Musik verebbt, entflieht in wenigen trotzigen Klängen, die das Trio noch gewillt ist, herzugeben. Das „letzte Wort“ hat der stoisch seine Ostinato-Figur spielende Bass von Felix Henkelhausen.
Part 3
Viel Stille, die Bass und Piano erzeugen, das mit sparsamsten Mitteln. Die Pausen sind es, die den Reiz zwischen den wenigen Tönen ausmachen. Längere Sequenzen bleiben abwesend. Die Stille zum Klingen bringen, das wäre ein guter Titel, der intimen Musik entsprechend. Das ist zeitgenössischer Piano-Trio-Jazz der kreativen Stille.
Part 4
Ist da schon ein Thema? Jein, das bestimmt letztlich die Definition. Zu hören sind Ideen, Motive, die Pianist Lorenz Kellhuber als Anregung konzipierte, die das Trio kreativ belebt. Das besorgt zunächst der Bass mit seinen fast schüchternen Figuren, die von stakkatohaften Pianoanschlägen kommentiert werden. Drummer Moritz Baumgärtner spielt keine durchlaufende Takte oder Rhythmen, sondern füllt melodisch - mit leisen Becken- sowie Trommelschlägen - den Raum zwischen den thematischen Einsprengseln von Piano wie Bass.
Part 5
Nach so viel Stille ist kräftiges, ja lautstarkes Klavierspielen angesagt. Unbegleitetes Piano-Solo, bei dem Lorenz Kellhuber seine expressive Seite betont. Die wird immer stärker ausgelebt und mündet in treibenden Anschlägen, die sich dramatisch steigern, den harmonischen freigesteckten Rahmen jedoch beibehalten. Die anderen wollen unbedingt „mitmischen“ und so ist ein agil treibender Piano-Jazz im aktuellen Gewand zu hören, der mitunter seine Harmonien frei zum Tanzen bringt.