Charles Lloyd ZigZag Summer Lounge 24.07.24

Autor: Cosmo Scharmer
Aktuelles Album “The Sky Will Still Be There” – 15.03.24
Jason Moran – piano
Larry Grenadier – bass
Brain Blade – drums
Charles Lloyd – tenor sax & flute
Einige Titel im Detail
Defiant, Tender Warrior
Von den ersten Tönen an will das Stück als Ballade gelten. Dazu tragen die ruhigen, sanften Linien des Basses und die diskreten, filigranen Schläge der Drums sowie die vorsichtigen Akkorde des Pianos bei. Mit dem einsetzenden Tenorsax verstärkt sich der balladeske Charakter ungemein – eine Charles-Lloyd-Ballade. Ein wunderbarer Titel, trefflich um die gefühlvolle Zusammenarbeit zwischen den Musikern zu genießen.
The Lonely One
Der Song kommt ähnlich daher. Eine etwas längere Phase von Einstimmung, von Suchen und Finden eines Themas, erweckt Spannung und Neugierde auf das, was da kommen wird. Nun, auch hier kann dem Stück nicht der Erzählcharakter abgesprochen werden, aber in seiner Ausprägung, der besonderen Intonation hat das Thema stärker einen hymnischen, ja spirituellen Schein. Da blitzt gelegentlich eine Verehrung wie in Love Supreme auf, den Trane stilistisch vorgegeben hat, der jedoch schon lange zu den Spielweisen und Stilelementen von Charles Lloyd gehört. Als überbrückendes Intermezzo sind sensible Soli von Piano und Bass zu vernehmen, die dem Thema gerecht werden. Danach stehen die Tonfolgen des Saxofons im Fokus des Geschehens. Als Ausnahme begleiten die anderen Mitgestalter diesmal „nur“ - diskret wie subtil.
Monk´s Dance.
Wie nicht anders zu erwarten, hier ist der Titel Programm: schön schräg, schalkhaft mit Humor und Ironie zeigt das Quartett, dass sie auch im Sinne von Thelonious Monk souverän spielen können - Hommage an Monk, aber mit eigenem Spielwitz, quirlig wie treibend inszeniert. Das ist eine gute Gelegenheit für die Kollegen vom Rhythmus ihre Kompetenz zu demonstrieren, was sie auch ausgiebig praktizieren – das Piano-Solo wird von solistischen Drums abgelöst, bevor das Sax das „letzte“ solistische Wort hat.
The Water is Rising
Das Thema Wasser ist ein oft verwendetes Motiv bei den Kompositionen von Charles Lloyd: der fließende, gleitende, strömende Charakter des Wasser mit seiner Sanftheit und Ruhe einerseits sowie der Stärke, Macht und gewaltigen Energie anderseits, ist ein faszinierendes Element für den Tenoristen. Stilistisch befindet sich der Titel zwischen der eher klassischen Ballade „Defiant, Tender Warrior“ und dem hymnischen Stück „The Lonely One“. Allen drei Titeln ist die hohe Kraft, die konzentrierte Energie und der harmonisch wie rhythmische Wohlklang gemeinsam.
The Sky Will Still Be There.
Das Titelstück ist nicht balladenhaft. Ein Duo zwischen Sax und Drums legt vor. Das Sax bläst melodische Linien, die von den Drums polyrhythmisch ergänzt werden. Ein quirliges, etwas frei aufschlagendes Piano gesellt sich dazu. Das Tenor bewegt sich nun stärker in Richtung freier Ausdruck, um dann wieder in ruhige und harmonische Fahrwasser zurückzukehren. Der hinzukommende Bass zupft virtuos seine korrespondierenden Figuren und Läufe in den von Piano und Drums jetzt dominierten Sound. Viele frei-tonale Figuren sind zu hören, die sich ergänzen oder konterkarieren. Ein expressives wie leicht schräges Thema. Das Tenor übernimmt, bläst seine unbändigen Schleifen, malt seine Klangfarben in das Stück. Das Piano hält sich zurück, stattdessen übernehmen Drums und Bass, das Thema voranzutreiben, um es dann elegant auszuhauchen.