Charlotte Joerges - „Riddle“ 25.06.26 b-flat


Charlotte Joerges - „Riddle“ 25.06.26 b-flat


Lange erwartet und bald (Do. 05. Juni) realisiert: Das Live-Konzert der Alto-Saxofonistin Charlotte Joerges, die mit der Original-Besetzung ihr aktuelles Album live im b-flat präsentieren wird.


Charlotte Joerges | Saxophon, Komposition
Dima Bondarev | Trompete
Florian Müller | Gitarre
Cookie Stephenson | Kontrabass
Heinrich Köbberling | Schlagzeug


Eine in der Tat vorzügliche Band hat sich Charlotte für ihr Projekt ausgewählt. Die Namen der beteiligten Musiker sprechen für sich. Sie sind alle Teil der exzellenten Berliner Szene und versprechen ein spannendes wie kurzweiliges Jazz-Erlebnis:  Deshalb kann nur Folgendes angemerkt werden. Wer solche Rätsel wie das von „Riddle“ kennenlernen und „lösen“ will, der muss was tun? Richtig.

Hingehen!



Album “Riddle”
- The Ballad Song Book by Charlotte Joerges
– The Art of Storry Telling


Die Titel des Albums in Detail


“Ballad for Nadja”


Die Bläser legen sogleich unisono vor, nur wenige Töne, sparsam vorgetragen. Bass und etwas später kommen Gitarre und Drums dazu. Ruhige Sequenzen der Trompete, begleitet von den Akkorden der Gitarre, beginnen eine Geschichte zu erzählen. Das macht die Trompete von Dima Bondarev mit ruhiger Bedachtsamkeit, der Titel ist nicht überfrachtet mit überflüssigen Noten der anderen. Wechsel der Soli, das Tenorsaxofon von Charlotte Joerges nimmt den Faden der Erzählung auf, „spinnt“ die Geschichte jedoch in den Klangfarben des Tenors weiter. Auch das Saxofon hat diese andächtige Reflexion auf Thema. Zu hören sind warme voluminöse Intonationen, die sich in dezenten Schleifen winden. Gelegentlich liefern die Kollegen ein paar Takte Rhythmus sowie einige Splitter individuelle Noten. Dann tupft erneut das Horn anziehende Farben in den Song. Themenwiederholung durch Holz und Blech. Bass und Drums halten sich sehr stark zurück, liefern „nur“ den erforderlichen rhythmischen Rahmen. Der Name ist programmatisch – Ballade für Nadja, ein Liebes-Gedicht.


“Encantado”


Mit balladesken Klängen geht´s weiter. Vorstellung des Themas übernehmen Trompete und Saxofon, diskret wie subtil von den Gitarre und den Rhythmikern an Drums sowie Bass unterstützt, die dann in einen stärker akzentuiert geschlagenen Beat wechseln, sich dabei in den Titel perfekt einfühlen. Die Bläser variieren das Thema, werfen sich ein paar musikalischen Bälle zu, dann ist es an der Gitarre sich solistisch zu artikulieren. Ohne die Bläser ertönt nun ein Gitarren-Trio-Jazz, der nicht lange währt, denn schon bläst die Trompete seine Sequenzen in den Titel. Dergleichen betreibt Charlotte Joerges nur unter anderen Aspekten, mit anderen Nuancen, dem Sound des Alts geschuldet. Erneut ein paar strenger betonte Anschläge der rhythmisch verantwortlichen Kollegen. „Encantado – sehr erfreut“. Ein treffender Name für den Titel, angenehm zu hören.


„Haunted 2“


Stilistischer Wechsel. Ein schneller, avanciert treibenden Rhythmus fegt los, darüber erschallt das von den Bläsern unisono angestimmte Thema, in das Charlotte ihre Tonfolgen direkt blasen kann. Im Jazz-Jargon wäre die „Jagd 2“ als „hot“ zu bezeichnen. Auch demonstriert das Spiel von Charlotte Joerges ihre Kenntnisse und Fähigkeiten, sich in der reichhaltigen Tradition des Altsaxofons zu bewegen, sich gleichermaßen zeitgenössisch in ihren Soli zu äußern: agil, expressiv, passioniert. Dergleichen ist vom Horn zu hören, das Dima Bondarev jetzt in einer schneidenden, metallischen Klangfarbe präsentiert. Die Präzision der jubilierenden Trompete.


Die Gitarre von Flo Müller stupft ihre Akkorde lässig wie höchst effizient in den Song, bevor sie solistisch ihre runden, swingenden Tonfolgen kreiert. Während dieser ganzen Soli betreiben die Jungs von Rhythmus einen exzellenten Job, können souverän wie virtuos zeigen warum sie für den - in Herz & Seele zielenden - Jazz von „Riddle“ unverzichtbar sind. Ein kurzes „Drum-Intermezzo-Solo“ des ausgezeichneten Heinrich Köbberling, dann Themenwiederholung. Der Sound, in den die Bläser ihre verwobenen „Sätze“ beisteuern können, hat viel von der ergreifenden Wirkung des Soul, erinnert an die große Tradition ähnlich (Piano anstelle Gitarre) besetzter Gruppen aus dem Genre des Hard-Bob. Willkürlich herausgegriffen: Cannonball Adderley, Horace Silver, Oliver Nelson.


„Inaceptable“


Dezente Trommelschläge und weiche Linien des Basses starten den Titel. Die Bläser eröffnen den Reigen von Thema, Variation und improvisatorischer Ausschmückung. Das Sax macht den Anfang. Auf der lässig swingenden rhythmischen Basis erheben sich die Motive, Figuren und die unerlässlichen Schleifen. Charlotte bläst ihr Alt agil und beweglich. Ein souveräner Sound eines aktuellen Swings tut sich kund. Das Bass-Soli von Cookie Stephenson, das sich stärker an eine balladenhafte Intonation ausrichtet, dient der stilistischen Abwechslung und Kurzweiligkeit. Die Bläser schaukeln sich gemeinsam zu hohen Lagen auf, geben kurze Sequenzen dem Partner vor oder antworten auf diese, treffen sich in der unisono gespielten Wiederholung des Themas. „Inaceptable“ befindet sich stilistisch zwischen den Balladen - “Ballad for Nadja” & “Encantado” und dem heißen „Haunted 2“. Was daran inakzeptabel sein sollte, weiß nur die Komponisten.


„Jein“


Mit Händeklatschen fängt´s an. Dann die Drums im gleichem Takt mit einigen Nuancen dazwischen. Danach stoßen die Bläser hinzu sowie ins Horn. Geschickt verschachtelte Sätze der Blasinstrumente erzeugen dann den charakteristischen Sound eines Quintetts, das auf den thematischen Figuren von Holz und Blech beruht. Flo Müller schlägt rhythmisch akzentuierte Akkorde dazu. Themenwiederholung. Dann müsste ein Solo kommen. So ist es. Das Alt-Saxofon von Charlotte Joerges führt mit klarer Intonation stringent aus: quirlig, bewegt, sich in höheren Lagen schwingend, mit den typischen Schleifen und Figuren eines solistisch blasenden Alto Sax auf einer swingenden Bob-Variante. Ein wohltönendes Solo des Basses übernimmt, dezent aber höchst subtil unterstützt von den Besen des Drummers. Auch die Gitarre schlägt ein paar ergänzende Akkorde. Das geht so lange bis die „Schwester- & Brüderschaft“ der Bläser wieder die thematischen Linien in den Titel platziert, präzise wie melodisch. Ein kurzes „Pausen-Solo“ von Heinrich Köbberling, polyrhythmisch wie melodisch getrommelt, beendet den Titel, macht aus dem „Jein“ ein Ja.


„Sublimation“


Zart ertönen die gemeinsam gespielten Sequenzen der Bläser, von den grazilen Anschlägen Heinrich Köbberlings kommentiert, so wie auf allen Stücken des Albums stets exzellent getrommelt. Das raffiniert verschachtelte Thema wird variiert, erhält von den Bläsern Nuancen und Zwischentöne. Der elegante wie beschwingte Rhythmus des Gitarren-Jazz-Trios lädt das Horn von Dima Bondarev zu solistischen Exkursionen ein: balladeske Tonfolgen und warme Harmonien bevorzugend, dabei vielschichtige wie melodische Bögen blasend. Die Gitarre von Flo Müller mischt dann auch solistisch kräftig mit: Läufe & Figuren, die Tradition des Jazz-Gitarre kennend, aktuelle Spielweise in den Fingern, beides verbindend.


„Zauberhölle“


Kurz angeblasene Sequenzen von Holz wie Blech legen vor, dann Gitarrenakkorde. Ein treibender – vom Gitarren-Jazz-Trio generierter Rhythmus forciert den Song. Gute Chance für das Alt seine Figuren zu präsentieren: agil, schnell, umtriebig mit den harmonischen Schleifen aus der Tradition des Bob. Was dem Sax Recht ist, ist der Trompete billig. Geschwind intonierte Tonfolgen, quirlige Sequenzen, hohe Lagen metallisch und virtuos schmetternd. Erneut erschallt das wohlgefällige Thema, Sax wie Horn lassen den „Zauber“ ausklingen. Ist das Rätsel („Riddle“) gelöst?




Ankündigung b-flat


Das Quintett Riddle fängt Kompositionen ein, die Charlotte Joerges während ihrer Zeit in Lissabon entwarf. Damals war sie vielen neuen Einflüssen ausgesetzt, musikalisch wie menschlich und kulturell. Um das alles zu verarbeiten und zu erweitern gründete sie die Idee des Quintetts, das dann Jahre später in Berlin Fuß fasste. Nun präsentiert sie ihre Musik, die von lyrischen Melodien zu packenenden Grooves und harmonischen Überraschungen reicht. Ein Rätselspiel.


website

youtube


The Riddle Quintet brings to life compositions that Charlotte Joerges conceived during her time in Lisbon. Back then, she was exposed to many new influences, both musical and personal and cultural. To process and develop all of this, she conceived the idea of the quintet, which eventually took root in Berlin years later. Now she presents her music, which ranges from lyrical melodies to gripping grooves and harmonic surprises. A game of riddles.





Jazzclub b-flat
Autor: Cosmo Scharmer