EMPFEHLUNGEN XJAZZ- FESTIVAL 08 – 14. MAI 2023 – TEIL 2

RAY (BY POKAZ, STUDNITZKY, APACHE CREW) – THURSDAY 11. MAY
Andrei Pokaz – Piano (UK)
Anastasiia Pokaz - Voice (UK)
Dmitrii Avksentiev – Elektronics (UK)
Sebastian Studnitzky – Trumpet (GER)
Apache Crew – Ballet, Dancers (UK)
Im Vorab-Konzert XJAZZ goes Dussmann am 20. April war ein Duo Sebastian Studnitzky und Andrei Pokaz zu hören. „Dann kann Andrei Pokaz solistisch zeigen, was in seinen Händen an Fingerfertigkeit steckt: sehr kräftige Akkorde der linken Hand ergänzen sich mit den perlenden Läufen seiner rechten. Darüber und darunter schillern die Sequenzen der Trompete im behutsamen, nachdenklichen Stil von Sebastian Studnitzky“.
Verstärkt wir dieses „akustische Basis-Duo“ durch den Gesang von Anastasiia Pokaz sowie zahlreiche elektronische Komponenten aller Beteiligten. Damit nicht genug, denn das Tanzensemble Apache Crew wird zusätzlich ihren Beitrag mit den Füßen treten: tanzend, stampfend oder abhebend. Bis auf den einladenden Sebastian Studnitzky kommen alle Beteiligten aus der Ukraine und so wird die Aufführung ein audiovisuelles Konzert zur Unterstützung der Ukraine. Hingehen!
Siehe Konzertbericht XJAZZ-Vorab-Konzertes bei Dussmann.
SHALOSH – Piano Trio – FRIDAY 12. MAY
Konzertbericht über das Piano-Trio Shalosh im Fluxbau in Berlin-Kreuzberg am 31.05.2019:
„Was spielt Shalosh für einen Stil? Lyrische Dramatik wäre ein passender Begriff. Beide musikalischen Elemente sind stetig vorhanden, wechseln sich ab, konkurrieren miteinander um die Vorherrschaft. Was den Anwesenden hier um die Ohren fliegt, ist nicht nur zarte Lyrik, auch keine klassische Dramatik, sondern ist die gekonnte Synthese der beiden stilistischen Pole. Die Lyrische Dramatik von Shalosh ist aktueller Jazz, hier und heute im Fluxbau an der Spree.“
Es gibt keinen Hinweis darauf, dass es am Freitag, den 12. Mai ganz anders klingen wird.
BUGGE WESSELTOFT & HENRIK SCHWARZ - SATURDAY – 13: MAY
Akustisches Piano trifft auf den digitalen Zauberkasten der Elektronik. Damit ist vieles möglich, es muss nur eine überzeugende Synthese eingehen. Beim letzten Album klingt das in weiten Teile wie folgt: Die Anschläge des Pianos treffen auf die Schläge einer holzwarmen Marimba. Derart können elektronisch generierte Tonfolgen klingen, wenn sie aus Meisterhand stammen. Das Duo aus der „Schlag-Werkstatt“ der Tastaturen ergeht sich in minimalistischen Spielweisen, die feinste Nuancen aus den Nischen von akustischen und elektronischen Klangwelten freisetzen. Was für Kenner der Materie.
LOVE IN EXILE - SATURDAY 13. MAY
(AROOJ AFTAB, VIJAY IYER, SHAHZAD ISMAILY)
Arooj Aftab - vocals
Vijay Iyer - piano, live electronics
Shahzad Ismaily - moog synthesizer, bass
Akustisches Piano, angereichert mit Bass wie Elektronik und menschlicher Stimme sind die Komponenten, aus denen sich die Musik des Projektes Love in Exile speist: verhaltene Linien des Pianos, durchgehende Ostinato-Figuren des Basses, die von säuselnden Klängen digitalen Ursprungs sanft umspült werden, die weibliche Stimme von Arooj Aftab. Das Resultat sind Klangwelten, die sich zum Los-Lassen, Hinein-Versetzen und zum Meditieren gut eignen, mit exotisch anmutenden Zungenschlag im Wortsinn. Piano, Bass und Elektronik überlassen den Fokus der Musik der Stimme von Arooj Aftab. Das tun sie mit unaufgeregten Themen, die nur leicht verändert, vorsichtig entwickelt und überwiegend in einer minimalistischen Spielweise verhaftet bleiben. Die Tonfolgen haben einen verhaltenen stakkatohaften Anschlag, bilden den rhythmisch-harmonischen Rahmen. Stärker solistisch sind Bass und Piano nur in den „Pausen“ des Gesangs zu vernehmen. Dann ist jedoch das hohe musikalische Können, besonders deutlich im pianistischen Spiel von Vijay Iyer zu vernehmen, der auch kristallene E-Piano-Läufe in die meditative Klangwelt zaubert.
Der betörende Gesang bezieht sich stark auf arabische oder neutraler gesagt orientalische Skalen. So wirkt die zelebrierte Sprache beim ersten Hören wie Arabisch. Das ist wohl nicht der Fall, sondern es sind die Melodielinien, die Intonationen, die Phrasierung, kurz: die ganze Art und Weise des Singens, das wie Arabisch klingen mag. Vermutlich singt Arooj Aftab in einer der Sprachen Pakistans wie Urdu oder Punjabi, aber das sind Spekulation und für das zu hörende Klangerlebnis unwichtig. Bedeutender sind dagegen die Geschichten, die singend vorgetragen werden. Die werden mit leichter, oft mit starker Melancholie und Sehnsucht eindringlich beschworen. Insofern ist der Titel des nicht nur musikalischen Projektes explizit programmatisch und global zu verstehen. Wer sich für Liebe, Heimweh, für suchendes wie findendes Glück interessiert, der ist bei diesen berauschenden Klängen einer meditativen Weltmusik mit einzelnen jazzigen Farbtupfern sehr gut aufgehoben.