Endea Owens 02.07.24 Gretchen Club

Autor: Cosmo Scharmer
Besetzung des Albums Feel Good
Endea Owens: composer, bandleader, bass
Keith Brown: piano
Jonathan Thomas: piano
John Davis: drums
Lee Pearson: drums
Kris Johnson: trumpet
Louis Fouche: alto sax
Jeffery Miller: trombone
Jhoard: vocals
Shenel Johns: vocals
Negah Santos: percussion
Jacqueline Acevedo: percussion
Kenny Watson, Isis Damill :Background Vocals (For The People)
Bryce Pinchum, Darell Campbell Jr.: Background Vocals(I Still Believe)
Raven People
Die Drums legen mit markanten, akzentuierten Schlägen los. Das sind federnd getrommelte Beats, in den Gesang, wie Vokale einbrechen. Ja, die Stimmen fokussieren sich zur Ansage, leicht verfremdet oder elektronisch angereichert. Den Drums obliegt es, das Thema zu schlagen, die andern begleiteten nur im Hintergrund – ein Titel für Drums mit eindringlicher Ansage.
Miss Lelie´s Blues
Schnelle, agile Einführung durch den Bass, dann Themenvorstellung: ein Blues. Ein einfacher Blues, auf die wesentlichen Tonfolgen konzentriert. Dann ist die Stimme dabei, dem Song das Notwendige einzuhauchen. Bass und Gesang, das genügt, um ein Blues-Feeling zu vermitteln. Mehr braucht der Blues nicht, auch nicht Miss Leslie´s. Und die Stimme von Shenel Johns kann sich hören lassen. Voluminös mit Jazz-Phrasierung legt sie ihr dunkelrotes Timbre in den Song. Der Titel steigert sich – im Wesentlichen liegt das an der Stimme -, die jetzt eine Spur Dramatik zeigt. Wer begleitet wen? Bass den Gesang oder umgekehrt? Egal.
Cycles Cycles (What Goes Around Comes Back Around)
Erneut ein Furore machendes Power-Stück. Bläser wie Rhythmus spielen es im schnellen Tempo. Das ist irgendeine Bob-Variante. Die gängigen Begriffe treffen es nur schwer, da Elemente aus allen bekannten Bob-Varianten enthalten sind – Be-, Hard-, Post-Bob. Einfach ausgedrückt: Das ist ein zeitgenössischer Swing, der voll abgeht. Die rhythmische Basis ist fetzig wie treibend, über die ein solistisches Piano-Solo (überfällig) seine Klangfarbe und quirligen Läufe schlägt. Dann ist das Alto Sax dran, seine Ideen in den Titel zu blasen: agile Schleifen, expressive Salven, gepresste Schreie jagt er über die Bob-Rhythmen. Fehlt was? Ja, ein Drum-Solo zum Schluss. Das ist nun zu hören, indem der Man an den Trommeln - in klassischer Manier -, die Pausen zwischen den Takten nutzt, um überbrückend seine schlagenden Argumente loszuwerden.
I Still Believe
Viel Gesang und noch mehr Soul. Hier demonstriert sich die Soul-Kompetenz von Komponistin Endea Owens. Ja, Easy Listening, aber was für die Seele.
Detroit Fight Song
Der dynamisch packende Anfang mit dem virtuosen Bass-Figuren sind eine Anlehnung oder eine Hommage an Charles Mingus „Haitian Fight Song“. Aber nur die anfangs gezupften Linien erinnern den legendären Titel aus den 50-zigern. Hier bei der Variante der Bassistin übernimmt ein Funk die rhythmische Regie - mit augenzwinkernder Reggae-Betonung, der ja eigentlich ein Foxtrott ist. Anyway. Über diesen markanten Beat improvisieren die Solisten tatkräftig. Das unbändige Altsaxofon macht den Anfang, wird abgelöst vom Blech mit etwas verhalten wie lyrischen Tupfern, und dann geht der Staffelstab des Solos an die „Beherrscherin“ der Bass-Geige: filigran wie schnell-händig spielt Endea Owens viele Noten in hohen Lagen. Das virtuose Zupfen geht dann nahtlos über in die Interventionen der Bläser, die das Thema geschwind wiederholen. Der Song aus Detroit ist stärker eine bewegte Ballade als ein Kampfsport-Song.
For the People
Der tragende Titel charakterisiert sich als Ballade. Über einer raffinierten rhythmischen Grundierung ertönen unablässig Figuren des Basses, die unisono! von den Drums unterstützt werden. Dann ist es an der Zeit für ein kräftiges Posaunen-Solo. Überraschung. Jetzt ist ein Chor zu vernehmen. Eine Ahnung von Spirituals keimt auf. Die einsetzende Trompete schließt auf die Posaune auf, bläst unisono mit ihr ein Thema und macht dann allein weiter. Da sind dann schneidende Sequenzen über tobende Rhythmen zu erleben. Den Höhepunkt bildet jedoch der Chor, der kraftvoll wie enthusiastisch eine Sonntagsmesse in Harlem oder anderswo zelebriert. So etwas könnte auch im Berliner Gretchen möglich sein.