JAKOB MANZ IN MEMORY OF DAVID SANBORN 17/18.12.24 - A-Trane

Zitate vom Konzert Jakob Manz Projekt – XJAZZ! Festival 08-Mai-2022
Zum Schluss des XJAZZ-Festivals das Beste? Zumindest ist der Ort, an dem musiziert wird ungewöhnlich, zumindest für Jazzmusik. Auf einem Touri-Schiff durch Spree und Landwehrkanal, alles bei bestem Wetter mit guter Laune aller Beteiligten.
"Die Band kommt sofort zur Sache. Ein harter Beat der Drums mit knatterndem Bass hauen dem Publikum einen fetzigen Funk um die Ohren. Dazu bläst das Alto-Sax von Jakob Manz ein etwas latin inspiriertes Solo. Das Sax schraubt sich hoch, agile, kurze „meckernde“ Tonfolgen.
Mit Thunderbird geht es gleichermaßen weiter in Sachen Funky Beat. Das Alt hat die Melodieführung inne, Drums und Bass sind für die hart akzentuierten Rhythmen zuständig, dem Piano obliegt der vermittelnde Ausgleich zwischen den musikalischen Polen. Zumindest eine Zeitlang, dann verdrischt auch der Pianist seine Tastatur. Das Sax wird schriller, die Sequenzen schneller, lauter. Die Band generiert einen scharf schneidenden Hardcore-Beat, bei dem sie sich die Seele aus dem Leib blasen, zupfen oder schlagen.
Nach einem Riff-Motiv des Pianos gelangt die Musik in ruhiges Fahrwasser. Zumindest was das Sax betrifft, das mit balladenhaften Klängen versucht, ein Gegengewicht zum verstörenden Piano-Riff von Hannes Stellsteiner zu bilden. Wären da nicht die anderen, so könnte der Titel glatt als Ballade durchgehen. Aber die Jungs vom Rhythmus können oder wollen ihre harten Anschläge nicht lassen. Und so bläst das Altsaxofonist einsam seine Klänge dagegen. Am Ende hat es doch geschafft die beiden nächsten Titel doch noch als Ballade zu definieren. Diese nicht zart und sanft, dafür kantig und durchaus originell.
Es geht ähnlich weiter wie im ersten Set. Auf den geraden Beat seiner rhythmischen Mitstreiter erfolgen dramatische Gefühlsausbrüche auf dem expressiven Altsax. Den Gegenpool bilden dann seine wohlgefälligen balladenhaften Improvisationen, die einen spannenden Gegenpool zur Musik der übrigen Band bilden.
Der Sound der Gruppe, die wohl auch größere Räumlichkeiten wie das Lido füllen könnten, ist wohl stärker auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet, wobei sich das eher „mittelalterliche“ Publikum an Bord wacker schlägt und den Ausflug ins Blaue zu genießen scheint.“
Balladeske Zwischenspiele
Der Vollständigkeit sei erwähnt, das der Altsaxofonist auch über die Fertigkeit verfügt, gefühlvolle Geschichten auf dem Alt zu erzählen und seine Spielweise an den Erfordernissen von tiefgründigen Jazz-Balladen auszurichten. Dieser balladeske Charakter im Spiel von Jakob Manz kann in einzelnen Passagen und Titeln in den beiden „Projekt-Alben“ wahrgenommen werden. Stärker ausgeprägt und ist dieser Stil jedoch auf dem Duo-Album „The Gallery Concerts I“ mit der kongenialen Pianistin Johanna Summer.
Zitate vom Konzert Jakob Manz trifft auf Johanna Summer
XJAZZ! Festival 08-Mai-2022 - Emmauskirche
Ein Quartett war angesagt, dann wurde es – höheren Mächten zufolge -ein Quartett minus 2, also ein Duo.
„Das Altsax von Jakob Manz legt los, spielt lange, klare Linien, auf den Harmonien von „Someday my Prince Will Come“ basierend. Den Halleffekt der Kirche sich zunutze machend, stellt er seine Ideen vor, baut sie kontinuierlich aus. Johanna Summer lässt zunächst ihrem Kollegen den Vortritt, begleitet diskret. Sich erstmal warmspielen, aber es klingt schon sehr abgestimmt.
Es sei für ihn eine „Offenbarung“ mit Johanna spielen zu dürfen, erläutert Jakob den nächsten Titel, der sich hermetisch als „Endlose Erms“ vorstellt. Dazu verwendet er einen Recorder, der sich als elektronisch mutiertes Flöteninstrument mit Klappen entpuppt. Flötentöne können leicht einen exotischen und meditativen Charakter annehmen. Dazu spielt die Pianistin wuchtige, kraftvolle Akkorde. Johanna Summer kann alles spielen und tut es auch. Begleitende Akkorde, pianistisch ergänzende Läufe oder solistisch konkurrierende Improvisationen. Jetzt hämmert die Pianisten schwere Akkorde in den obligatorischen Steinway-Konzertflügel, während Flötist Jakob Manz ohne jede Piepsigkeit auskommt. Jakob Manz umgeht diese Gefahr, indem er besonders tieflagig haucht und bläst. Johann Summer nimmt seine musikalischen Ideen und Vorschläge erstmal auf, macht dann aber was gänzliche Eigenes daraus. Exzellent präsentiert sie ihre Themen, lässt mitunter klassische Nuancen aufblitzen.
Nächster Titel. Das Altsaxofon übernimmt. Horn und Piano spielen unisono eine wohltönende Melodielinie. Das Thema und seine klägliche Ausgestaltung erinnern an den „Nordischen Sound“. Assoziationen, an den einst von Jan Garbarek initiierten und mittlerweile fast „normativ“ geworden europäischen Jazz-Sound, sind nicht zu leugnen. Es wäre auch musikalisch absurd, auf ein solches Stilmittel oder gar Genre zu verzichten. Das ist hier nicht der Fall. Johanna Summa und Jakob Manz spielen frei weg, machen sich und den Zuhörenden das Leben schön. Lange Soli des Altsaxofons, das für ein Alt mit ungewöhnlich vollem Ton geblasen wird, erschaffen in der hallenden Kirche weite Klanglandschaften, die pianistisch kongenial ergänzt werden. Beide treffen sich gelegentlich in wunderschönen Melodiebögen, um dann wieder ihren stärker solistischen Part zu bestreiten. Hier ist die Kunst des Duos zu erleben.“