Jazzfest Berlin 2024 – 31. OKt. – 03. Nov. 24 - Sun Ra Arkestra


Sun Ra Arkestra - 02.11.2024 - Haus der Berliner Festspiele - Große Bühne


Knoel Scott – Alt- und Baritonsaxofon, Kongas
Anthony Nelson – Klarinette, Baritonsaxofon
James Stewart – Flöte, Tenorsaxofon
Chris Hemingway – Altsaxofon
Michael Ray – Trompete
Cecil Brooks – Trompete
Robert Stringer – Posaune
Elson Nascimento – Surdo, Perkussion
Tyler Mitchell – Kontrabass
George Gray – Schlagzeug
Tara Middleton – Gesang
Farid Barron – Klavier, Keyboards



Sun Ra Arkestra - Konzertbericht  27.06.2017 Festsaal Kreuzberg


Sun Ra
„Der Meister dieser „galaktischen“ Formation hat schon seit Jahrzehnten diesen Planeten verlassen. Sein freies, stärker atonal ausgerichtetes Pianospiel, das die Musik der Band als schwarzen Free Jazz einst prägte, scheint jedoch nicht mental auf die noch auf Erden weilende Band … übergegangen zu sein. Nichts, aber auch nichts erinnert an den galaktischen Impuls früherer Tage.“


„Waren im Anfangsjahrzehnt und den folgende Jahren noch das freie Piano-Spiel des Gründers Sun Ra und ein ins atonale abdriftender schwarzer Jazz-Sound auszumachen, so veränderten seine Nachfahren die Musik zusehends zu einer leichteren Mischung Jazz mit Pop- und Soul-Elementen, bei dem die atonalen Klang-Ausflüge ihrer Saxophone mehr als Alibi erschienen.“


Sun Ra Arkestra
„Die altgediente Band trat - neben neuen Musikern -  mit zwei alten Recken aus den Gründungstagen auf, die ihre Saxophone schrill in den Kosmos, genauer in die Luft des Kreuzberger Festsaals (der in Treptow liegt) stießen. Auch das (alte & neue Musiker zusammen zu bringen) ist eine gepflegte Tradition des Arkestra.


Spitze, grelle Schreie aus Alt- und Tenor-Sax belegten oder sollten belegen, dass die Band noch dem Genre des freien Jazz zugerechnet werden kann. Es blieb nur bei kurzen Bekundungen in Sachen freies Spielen, bei denen ihnen schnell die Luft ausging. Ausgeführte musikalische Themen oder eine musikalische Idee, die improvisatorisch entwickelt wurde, konnten leider nicht ausgemacht werden. Es blieb nur bei der Geste von Atonalität oder Freiheit in ihrer Musik.


Dafür sollte der unterschwellige Basis-Sound der übrigen Musiker entschädigen. Der Sound war auf dem gegenteiligen Pol der zeitgenössischen Musik angesiedelt: ein paar Pop-Rhythmen, viel leichte Kost, einfache melodische Klänge, ein wenig Soul, dessen Bläsersätze noch zum Besten des Konzertes gehörten. Nun, alles ist erlaubt im Jazz, wenn es Substanz, musikalische Idee und individuelles, solistisches Können beinhaltet. Hier fielen die Pole zwischen leichter Unterhaltung und „avantgardistischem“ Gestus zu weit auseinander. Das war ein Sound des „weder noch“. Als Brücke sollte das beschwörende Singen oder nur Vortragen von kosmischen Texten dienen. Aber nur durch Wiederholung von Wortfetzen wie „Stars, Cosmos oder Universe“ ist weder ein kosmischer Sound, was dies immer sein mag, noch eine kosmische Gesinnung zu erzeugen. Also ein musikalischer Misserfolg?


Denkst´de, weit gefehlt. Den Anwesenden gefiel es sehr! Da kam die leichte Musik mit den sprachlichen Floskeln und den bunten – stark afrikanisch-ethnisch inspiriert - Kostümen und den schrillen Saxophonklängen auf poppiger Basis gut an! Es wurde mitgeschunkelt, die Hüften konnten kreisen und auch auf Zigaretten und Joints musste nicht verzichtet werden. Da störte vielleicht nur die zu gut gefüllte Halle des Festsaals und die schwül-stickige Luft bei dieser esoterischen Darbietung eines „kosmischen“ Sounds.


Eins muss man dem Arkestra wirklich zugutegehalten. Sie haben ihr Publikum gekonnt „verhext“. Da ging vielleicht doch eine kosmische Botschaft über die Gläubigen nieder, die einem kritischen Ohr verborgen blieb, die aber die Herzen des Publikums gewann. Das ist anzuerkennen, auch wenn es wohl mehr Gaukelei als Verzauberung war. In einem gewissen Sinn haben die Musiker des Arkestra der Legende von Sun Ra wieder Leben eingehaucht.“


Nun, das waren die subjektiven Eindrücke des Konzertes vor 7 Jahren. Wird es heute (02.11.2024) genauso klingen? 

Da hilft nur eins: Hingehen! Sich selbst eine Meinung bilden!



Jazzfest Berlin
Autor: Cosmo Scharmer