JAZZFEST BERLIN 2024 - A-TRANE - Devin Gray’s «Melt All the Guns II» Sa 02.11.24

Ankündigung A-Trane
„Die Musik auf ihrer EP „Melt All the Guns“ – ein Protest gegen die Allgegenwart tödlicher Schusswaffen in den Vereinigten Staaten – bewegt sich zwischen einer fast kriegerischen, dann wieder gelösten Atmosphäre und purer Lyrik. Besonders Grays Schlussstück „Protect Our Environment“ geht weit über eine Forderung nach ökologischer Nachhaltigkeit hinaus …. Die Abwesenheit eines*einer Bassist*in eröffnet der Gruppe zahlreiche harmonische Freiheiten, die Trompeter Alessi zu äußerst extravertierter Spielfreude beflügeln. In diesem Konzert spielen Gray und Alessi an der Seite der vielversprechenden jungen Pianistin Myslaure Augustin, einer Schülerin von Alessi.“
Devin Gray Album „Melt All the Guns II” 2024
Wie es klingen könnte, verrät ein intensivers Hineinhören in das aktuelle Album. „Melt All the Guns II”
„East Berlin 2024“
Dieser Titel des Albums zeigt repräsentativ die Spielweise des Trios. Da sind unzählige Sequenzen der Trompete zu erleben, die mit den permanenten Schlägen der Drums nicht nur in Beziehung, sondern in einen realen Wettstreit treten. Wer spielt mehr? Wer jagt die schnelleren Töne in den Raum? Wer schlägt stärker freie Töne an? Wer sprengt den konventionellen harmonischen Rahmen? In einer eher militärische Logik formuliert: Wer kämpft stärker für das „Einschmelzen der Waffen? Im engeren Sinn bezieht sich diese Aufforderung auf die USA mit ihren extrem „liberalen“ Waffengesetzen und den daraus folgenden fürchterlichen, oft tödlichen Konsequenzen - Melt All the Guns II.
Battles
Auch in der Sprache des Jazz gibt es den Begriff der „Battles“, zumindest im Englischen. Das waren oder sind überwiegend die Wettstreite zwischen Tenorsaxonisten (historisch u.a Sonny Rollins & John Coltrane). Auf dem aktuellen Album spielen alle gegen einen imaginären Gegner und bevorzugen dazu stärker atonale Stile und freie Improvisationen, auch wenn es einen gewissen kompositorischen Rahmen gibt, den Drummer und Komponist Devin Gray beisteuerte.
Fazit:
Devin Gray und Ralph Alessi überbieten sich gegenseitig in einem nicht nachlassenden Spielfluss, in einer rast- und ruhelosen Leidenschaft am freien Improvisieren. Besonders der agile Stil des Drummers mit seinen Anschlägen, die ständig auf Trommeln und Becken prasseln, sorgt für ein ständiges Vorwärtstreiben, das die anderen packt, zum Mit- und Dagegenhalten zwingt.
Zwischen den Protagonisten von Drums und Trompete versucht sich das Piano in „Stellung“ zu bringen, auf Augenhöhe gegen die lauten Anschlägen der Drums und die hohen, schrillen Sequenzen der Trompete mutig anzugehen. Angesichts der Schwere der Aufgabe gelingt das Pianistin Myslaure Augustin durch kräftige Tastenanschläge und wuchtige Akkorde durchaus.
Weitere Titel
Auch auf die übrigen Titel ist die Beschreibung und Charakterisierung von „East Berlin 2024“ zutreffend anzuwenden. Zwar gibt es Unterschiede in Tempo und Intensität der einzelnen Titel, aber die Konzeption des Trios, wie die Musik, ihr spezieller Sound klingen soll, wird beibehalten.
Auch der Titel-Song „Melt All the Guns II“. stellt keine wirkliche Ausnahmen dar. Zwar beginnt und endet der Song in leisen, langsamen Tonfolgen, aber im Mittelteil hat er wieder die Expressivität und Dramatik der wilden Soli, die alle drei unentwegt in die vagen Themen - im Wortsinn – schlagen oder blasen.
Balladen?
Zu Ralph Alessi Stil gehört auch eine Vorliebe für wunderbare Balladen, die er mit den warmen Klangfarben seines Horns melodisch wie harmonisch in die Themen malt. Ein wenig ist davon im Titel „First Flight Out“ zu spüren, auch wenn das keine wirkliche Ballade ist. Hier ist es an der Pianistin Myslaure Augustin - fast unbegleitet - zu zeigen, was in ihrem Flügel an Ideen wie Figuren steckt und rausgelassen werden will. Und das tut sie.
Na, denn. Hingehen!