Konzertreihe „Berlin jatzzt“ 11.02.2024 Kunstfabrik Schlot


Premiere war vor rund 10 Jahren. Die Veranstaltung ist 4 x im Jahr im Schlot zu erleben. Die Konzertreihe bringt den Jazz, der von 1945 bis 1970 in Berlin gespielt wurde, wieder als Konzert auf die Bühne. Idee und Realisierung stammen von Saxofonist Jörg Miegel, der über 10 Jahre nach geeignetem Material recherchierte.


„Berlin jatzzt“ besteht aus 2 Komponenten: einer permanenten Ausstellung, deren Exponate – Plakate, Poster, Fotos, Programme von Clubs/Festivals – an den Wänden des Schlots zu betrachten sind. Sehr lohnenswert. Der andere Teil von „Berlin jatzzt“ besteht aus der - von Jörg Miegel initiierten - Band, die diese historische Berliner Jazzmusik wieder zum Leben erweckt. Dazu Jörg Miegel:


„Wir spielen Titel der Berliner Komponisten, also Originalkompositionen: Helmut Zacharias, Johannes Rediske, Helmut Brandt und viele andere. Es war schwer, diese Kompositionen zu finden“. Bezüglich Standards: „Da gibt es wunderschöne Arrangements, aber ich habe diese Festlegung getroffen, nur Originale zu spielen.“

Programm

Kostproben vom Konzert am 10. Dez. 2023:


„Der nächste Titel schwingt ebenfalls, hat schon eine richtig coole Note, geradezu avantgardistisch von Gitarrist Johannes Rediske, den Cool Jazz antizipierend. Das setzt die Gitarre von Michael Gechter mit verspielten Melodielinien und Soli trefflich um. Und noch ein Gitarrist soll zu Wort kommen. Der legendäre Coco Schuman erinnert sich in seinen Memoiren „Der Ghetto-Swinger“. Petra Wolf leiht ihm ihre Stimme. Die Rückkehr aus den KZs, das 1. Aufeinandertreffen mit den Kollegen, das sofortige Spielen von Jazz und Swing als Überlebungsstrategie und auch Episoden wie Kontakte zu Amis und Russen ablaufen konnten… Dazu spielt die Combo einen Boogie, zu dem getanzt werden könne…. Das Thema besteht aus knappen, jedoch melodischen Riffs, in die jeweils sehr kurze Soli eingestreut werden.“


„Thema in Moll“ von Johannes Rediske. Da ist viel Bach mit Fugen drin … Nach einem warmen, singenden Solo von Bassist Kubi Kubach, kommt auch Gast Volker Fry mit seinem Vibrafon zum perfekten Einsatz. Im Titel ist eine kräftige Inspiration des Modern Jazz Quartetts (MJQ) zu spüren. Sowohl thematisch als auch in den Soli ist das Vibrafon für diesen fein abgestimmten, unterkühlten Sound unerlässlich.“


„Bami“, der folgende Titel von Helmut Brandt ist auch das Signal für den Trompeter und 2. Gast Eddie Hayes, der schon in der RIAS Big Band dabei war und mit der Klangfarbe seines Flügelhorns die Komposition anreichert. Das swingt jetzt leicht cool, zwischen Bebop und mehr akzentuierten Beat schwingend. Dieser Sound wird durch das Bariton-Sax (von Jörg Miegel) weiter verstärkt. Beide Instrumentalisten zelebrieren in ihren Soli balladeske Spielweisen, die die Jungs vom Rhythmus gleichermaßen schultern. Mit dem Titel „Nordlicht“ gesellt sich eine schwere Ballade dazu. Auch hier wechseln sich Flügelhorn und Baritonsaxofon in ihren Soli ab, treffen sich im unisono geblasenen Thema. Auch das stets souverän swingende Piano von Tobias Tinker kann mit solistischen Einlagen glänzen. Alle zusammen beschwören eine tiefsinnige Ballade von dunkler Schönheit.“

Weitere Konzertbesprechung
Autor: Cosmo Scharmer