Maria Baptist Orchestra 04 & 05.04.25 Schlot backup


Weitere Zitate aus Konzertberichten der Suite „The Bright & the Dark“.


„Das Altsaxofon darf anfangen, übergibt seine sich windenden Schleifen an die Trompete, die in warmen, gedämpften Farben den thematische Faden weiterspinnt. Dann ist es das bewegte Spiel der Kapellmeisterin noch eins draufzusetzen: die Akkorde werden energisch mit beiden Händen geschlagen, nahe an der Clustertechnik, tiefe Lagen dröhnen, erobern den Raum, um dann in perlende Läufe überzugehen. Diese Linien und Figuren nehmen das Thema vorneweg, spielen es kurz an, stellen es dann vor. Die Big Band fällt ein, kreiert diesen kompakten Sound voller Energie, an dem die „Brüderschaft der Bläser“ hohen Anteil haben. Das ist der 1. Satz der Suite „The Bright and the Dark“, der keine Wünsche offen lässt.“


The Bright and the Dark – 3. Satz
„Der könnte anders, aber nicht besser eingeleitet werden als durch ein Solo der Pianistin: Tiefe Lagen, knallige Akkorde, blitzende Fingerläufe, volle Dröhnung aus der Tiefe des Flügels wie der Harmonien. Das solistische Spiel nähert sich dem Thema, um es dann unisono mit dem Bass zu präsentieren. Die Drums unterstützen diskret, zu hören ist ein intimes Piano-Jazz-Trio inmitten der Big Band. Nach einer kurzen Intervention der Bläser samt ihren verschachtelten Sätzen entwickelt sich das Thema weiter, wird vom Piano variiert. Dann mündet das pianistische Spiel in ein Zwiegespräch mit dem Bassisten, der das Duo in sein Solo münden lässt, um erneut die thematische Linie an die Pianistin zurückzugeben. Das Schlagzeug ist zunächst munter wie heiter bei der Sache, um dann in ein schnelles, härteres, mitunter ruppiges Trommeln zu wechseln. Das ist für Maria Baptist der Auftakt für ein fantastisches, solistisches Bearbeiten des Flügels, um sodann mit ihren thematischen Figuren auf und davon zu fliegen.“


„Der 4. Satz folgt sogleich.
Kurze Intro durchs Piano. Das Thema vorzustellen ist jetzt Sache der Saxofone. Das ist ein kompakter, geradliniger Sound ohne Schnörkel. Die Bläser nehmen sich zurück, überlassen einer Combo das Feld, angereichert durch ein Trompeten-Solo. Themen- und Rhythmuswechsel: schnelles Tempo, zeitgemäß swingende Spielweise, zupackend expressiv, die Sektion des Rhythmus´ prescht voran. Ein Kinderspiel für alle Solisten, da noch was draufzupacken. Nach einem knappen Duo des Pianos mit der Posaune, legt dann Posaunist Geffroy de Masure erst richtig los, fegt blasend Thema und Publikum einfach hinweg. Eine wilde ekstatische Jagd durch Themen, Harmonien und Rhythmen ist angesagt, die an Intensität und Ausdruck wohl nicht zu überbieten ist. Anders gesagt, so klingt der 4. Satz der Suite „The Bright and the Dark“.“



Ankündigung Schlot
„10 Jahre Maria Baptist Orchestra – Zwei Jubiläumskonzerte im Schlot


Rhythm: Piano-Maria Baptist, Bass-Fabian Timm, Drums-Heinz Lichius
Reeds: Jonas Schoen, Paulo Cedraz, Nils Feldmann, Patrick Hamacher, Nik Leistle
Trumpets: Philip Sindy, Fabian Engwicht, Ruben Giannotti, Alexander Gibson
Trombones: Will Pethick, Geoffroy de Masure, Laszlo Griese, Christopher Sauloff


Seit einem Jahrzehnt bereichert das Maria Baptist Orchestra die Berliner Musiklandschaft mit seiner einzigartigen Verbindung aus Jazz und symphonischer Klangästhetik. Die internationalen Kritiker von All About Jazz ordnen das 16-köpfige Ensemble »in eine Liga mit den Schlüsselfiguren des modernen Big Band Jazz wie Schneider, Gruntz, McNeely und Bley« ein.


Zum Jubiläum präsentiert das Orchester in seiner musikalischen Heimat, der Kunstfabrik Schlot, zwei besondere Konzertabende.

Am 4. April 2025 (99. Konzert) steht die Nacht der Suiten im Fokus – Werke, die die besondere Handschrift des Ensembles tragen: inspiriert von symphonischen Klangkörpern, durchkomponiert und doch voller improvisatorischer Freiheit.


Am 5. April 2025 (100. Konzert) folgt die Uraufführung eines wegweisenden Werks: Jazz Symphony No. 1 von Maria Baptist– die erste Symphonie, die explizit für ein Jazz-Orchester geschrieben wurde. In klassischer Viersätzigkeit angelegt, verbindet sie symphonische Strukturen mit den kreativen Möglichkeiten des Modern Jazz. Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur, markiert dieses Werk einen Meilenstein in Maria Baptists Schaffen.


Das Orchester um die Pianistin, Komponistin und Dirigentin Maria Baptist vereint herausragende Solisten dreier Generationen zu einem organischen Gesamtklang. Maria Baptist zählt zu den profiliertesten Künstlerinnen des zeitgenössischen Jazz. Die Pianistin und Komponistin bewegt sich mühelos zwischen musikalischen Welten und fusioniert Jazz und Klassik zu einem neuen Klangerlebnis. Ihre vielfach ausgezeichnete Musik hat Maria Baptist auf den großen Bühnen der Welt präsentiert – von der Berliner Philharmonie bis zur Elbphilharmonie, von New York bis Hongkong – und auf 17 Alben dokumentiert.


 Zwei Konzerte, ein Jubiläum – eine Hommage an zehn Jahre kreativen Aufbruch.“


vollständiger BerichtWeitere KonzertbesprechungDirk Engelhart "Sketches of Jazz"
Autor: Cosmo Scharmer