Meinhart/Morello/Donkin/Köbberling 23.08.24 Donau115

Impressionen und Zitate aus dem Konzertbericht vom 25.08.23 Donau115
„DONAU115 nennt sich das Ambiente im nördlichen Neukölln, Kreuzkölln für Eingeweihte. Die sind im Hier und Jetzt gut vertreten. Der Club ist sehr einfach ausgestattet, hat viel vom „Charme“ der wilden 70-ziger, als die meisten Jazzclubs diesen Anstrich hatten: überschaubar, viel Atmosphäre und besonders wichtig, sehr intim. Das dazu passende internationale Publikum hat sich DONAU115 selbst verpasst: es ist zahlreich da, sehr jung und stark weiblich. Das klingt für einen Jazzclub fantastisch. Für das musikalische Projekt der „Donau Conversations“ fühlt sich Schlagzeuger Mathias Ruppnig zuständig, der Kollegen zu diesem Projekt, eher einer Art Jam Session eingeladen hat. „Der beste Jazzclub in Berlin“, bemerkt er. Kein Applaus macht sich breit, als die Band die „Bühne“ betritt. Ist hier wohl so üblich.“
„Mit dem Standard „ I Hear a Rhapsody”
strömen balladeske Klänge durch den Club, bilden einen gewissen Kontrast zum akzentuierten, polyrhythmischen Spiel des Drummers Mathias Ruppnig. Der Tenorist lässt sich davon nicht abbringen, seine balladenhaften Improvisationen fortzusetzen, weiterhin Geschichten mit dem Sax zu erzählen. Die Drums trommeln jetzt entfesselt. Bassist Thorbjørn Stefansson wechselt in einen schnellen Swing, aus dem sich sein Solo entwickelt. Dabei bevorzugt er die hohen Lagen am unteren Ende des Griffbretts. Die können schneller gezupft werden, sind besser hörbar als die tiefen, warmsingende Töne, erhaschen beim Publikum deutlich mehr Aufmerksamkeit wegen der flinken Fingertechnik. Das ist alles legitim, wenn man es kann, Thorbjørn Stefansson kann´s. Ein paar eingeworfene Splitter der Bläser beenden den Titel.“
„The Blessing
Kann als Höhepunkt des Konzertes gelten. The Blessing ist ein melodisch-rhythmisches Stück voller Raffinesse von Ornette Coleman, das im Zusammenspiel zweier Klassiker berühmt wurde. John Coltrane und Don Cherry haben es in ihrem Album The Avantgarde vorgemacht, wie es klingen kann, wenn zwei Melodieinstrumente auf „lästige“ Akkordinstrumente wie Piano oder Gitarre verzichten und nur die einzelnen Noten sowie Klangfarben von Tenorsax und Trompete miteinander wetteifern. Nun, Bastian Stein und Tobias Meinhart können als legitime Erben gelten. Das klar strukturiertes Motiv ertönt, es klingt nach Coltrane. Für den notwendigen, subtil treibenden Rhythmus sorgen Drums und Bass in souveräner Weise. Das nutzt der Sommergast aus Brooklyn, um mit seinem Tenorsax den Titel farbig auszukleiden. Das tut er als Hommage an Trane: strömende Linien, stringenter Aufbau der Improvisationen, bestechende Harmonien. Die Trompete lässt sich vom Tenorsaxofon anstecken, bläst jetzt scharfe Sequenzen: Spitze, Hacke, Cross – viel Metall statt stumpfes Blech. Alles in allem ist der dichte Gruppen-Sound eine würdige, wie aktuelle Interpretation des Titels aus dem Avantgarde-Album.
“Die Ballade Nostalgia leitet der Bass ein, Holz & Blech thematisieren den Titel, dann gehört die „Bühne“ erneut dem Bassisten, der sich solistisch - mit leisen Support der Drums - erneut hervortut. Das folgende Trompetensolo von Bastian Stein ist nach anfänglichen runden Töne stärker schneidend. In Sachen Expressivität legt das Tenorsax dann ordentlich nach, während die Jungs vom Rhythmus unablässig komplexe Figuren schlagen wie zupfen.“