Rejazz Festival 3. Tag 22 Nov. 2024 - Kunstfabrik Schlot


Rejazz Festival 3. Tag


Louise Jallu 2.Set


Louise Jallu – bandoneon, composition, arrangement
Karsten Hochapfel – guitar
Grégoire Letouvet – piano, synthesizer
Alexandre Perrot – bass


Astor Piazzollas Tango Nuevo zu kreieren ist eine riesige Herausforderung, denn Astor Piazzolla hat die Messlatte in fast unerreichbare Höhen gelegt. Kaum vorstellbar, wie der geniale Kreateur der Tango Nuevo wesentlich anders gespielt werden kann ohne an Substanz zu verlieren. Nun, das gilt es zu verifizieren und daraus folgt: Hingehen!


Louise Jallu hat ihr Album von 2021 Astor Piazzolla und seine Kompositionen gewidmet. Darin sind einige der schönsten und bekanntesten Titel enthalten: Libertango, Adios Nonino, Oblivion und viele mehr.


Mit ihren Quartett kommt sie der bevorzugten Formation - mit Bass (gestrichen), Piano, Violine, Gitarre und Bandoneon -, von der Astor Piazolo einst behaupte, sie sei die beste Besetzung, um seine Musik zu spielen. Auf dem Album zupft Alexandre Perrot den Bass, der auch im Konzert dabei sein wird. Die Funktion der Violine wird beim Live-Konzert wohl der Gitarre übertragen. Ähnlich wie beim Altmeister steht auch Louise Jallu im Fokus des Geschehens, sei es thematisch oder sei es hinsichtlich der zahlreichen Soli, ihrer ausgedehnten, emotionsgeladenen Improvisationen. Letztere sind in den Werken von Paizolla besonders anspruchsvoll, da viele Passagen wie Improvisationen klingen, aber komponierte Teile sind. Diesbezüglich kann sich die Bandoneon-Spielerin sehen und hören lassen. Beim „blinden Hören“ der Piazolla-Stücke wird es schwer bis nahezu unmöglich zu unterscheiden, ob das Gehörte vom Altmeister direk oder von seiner französischen Erbin präsentiert würde.


Aber vielleicht könnte es hier und da einen Unterschied geben. Piazolla beantwortete im Interview (Communale Heidelberg, 1984) auf die Frage, ob der Jazz ihn inspiriert hätte: „Ästhetisch ja, musikalisch nein“. Für Piazolla verstand seine Musik eher als Klassische Musik. Bei Louise Jallu könnte – wenn man so will –  jazzige Phrasierung und reale Improvisation herausgehört werden. 



Aber vielleicht ist das nicht korrekt? Was folgt daraus? Richtig, sich selbst eine Meinung verschaffen.

Kurz und gut: Wer Piazolla und seinen Tango Nuevo schätz oder gar liebt, der wird von Louise Jallu begeistert sein und deshalb sei hier wiederholt: Hingehen!


Ankündigung Schlot:


„Piazzolla 2021“ ist das zweite Album der virtuosen Bandoneon-Spielerin Louise Jallu. Aufgenommen in der Pariser Philharmonie, begeisterte sie Kritiker in Frankreich und Argentinien. Diese moderne und äußerst persönliche Interpretation von Astor Piazzollas Musik sucht ihresgleichen.
Louise kennt und beherrscht die Geschichte des Instruments, verzichtet jedoch auf das ganze Instrumentarium einer bloßen Kopistin und spielt ihren ganz persönlichen Stil. Wie einst Piazzolla den Tango revolutionierte und den Tango Nuevo erfand, revolutioniert Louise Jallu nun Piazzolla – Piazzolla Nuevo eben!“


„Es ist eine Revolution, Louise führt mit Piazzolla Nuevo zu keiner Nachahmung, sondern zu einer Bewahrung des Geistes als Ausgangspunkt für eine mutige Erkundung, die nicht auf ein Genre wie Tango, Jazz, oder zeitgenössische Musik reduziert werden kann.“ (Le Monde)


Louise Jallu – bandoneon, composition, arrangement
Karsten Hochapfel – guitar
Grégoire Letouvet – piano, synthesizer
Alexandre Perrot – bass




Kunstfabrik Schlot
Autor: Cosmo Scharmer