Tom Berkmann Journey 24.04.25 A-Trane Album «Journey»


Tom Berkmanns Album «Journey»


Ben Kraef – Tenorsaxophon
Carl Morgan – Gitarre
Simon Seidl – Piano
Tom Berkmann – Bass, Komposition
Fabian Rosch – Drums



Beschreibungen weiterer Titel


„Two Lemons“
Die zuvor erwähnte Charakteristika von rockigen wie auch Funk-Elementen trifft auf den Titel gut zu. Thema, dann Variationen durch die Soli von Sax und Gitarre. Letzteres ertönt starker energetisch als swingend. Drums & Bass rocken lässig weiter, betreiben intensiven Flirt mit Funk/Fusion. Die Tonfolgen des Tenorsaxofons von Ben Kraef bleiben wesentlich im tonalen Raum, auch wenn es mal „freie“ Ausflüge gibt. Diese sind nicht frei im atonalen Sinn, sondern können – durch raffinierte eingesetzte harmonische Wechsel – einen ähnlich Klangcharakter annehmen – eine modale Spielweise kommt dem noch am Nächsten.


„Torn“
Mit Saxofon-Gesäusel im Hintergrund stellt sich das Stück vor. Das Thema schält sich kurz heraus, um sodann in ein Solo des Pianos überzugehen. Ben Kraef ist mit schnellen Figuren und expressiven Salven zu hören, dabei bewahrt der Tenorist sein melodisches Gespür für den Titel.

„Good Questions“


Ein stakkatohaft geschlagenes Ostinato-Motiv des Pianos von Povel Widestrand macht den Anfang. Der Bass gesellt sich dazu, spielt eine weitere Riff-Figur. Gitarre und Saxofon sind einträglich wie einvernehmlich zu hören. Sie werfen sich zunächst Themen, dann Figuren und Ideen zu, generieren dadurch ein abwechslungsreiches Spiel. Sie befinden sich geradezu im intimen Duo miteinander, das alles bei diskreter Begleitung der anderen. Good Questions – Good Answers.


„Turnover“
Der Titel kommt sowohl rhythmisch - mit gerader Betonung wie auch harmonisch „verquer“ - rüber, bewegt sich zwischen den Spannungspolen von behändigter Leichtigkeit (Bass) und schwerer Akzentuierung (Drums). Dazwischen tummeln sich thematisch wie solistisch die Spielweisen der 6-Saiten und des Tenors, nach wie vor abwechslungsreich. Der Bass gleitet in einen unterschwelligen Swing, der ab und zu ein kurzes, solistisch geprägtes Spielen mündet - zwecks Auflockerung. Ähnlich spendet die Gitarre einige Figuren, um dann mit dem Tenor das Thema zu wiederholen. Tonal bleibt „Turn Over“ im Rahmen der Komposition.


„Leighton“
Ein ruhiger, langsamer Song: dezent getrommelt, geschlagen und gezupft von den gestandenen Jungs vom Rhythmus. Die Gitarre sticht einzelne Läufe behutsam in den Sound, entwickelt ihre Geschichte kontinuierlich mit runder, fließender Intonation. Das Tenor-Sax kommt hinzu, tönt teils energetisch, aber auch melodisch verspielt, beide Stile jedoch ausdrucksvoll. Dergleichen ist von der Gitarre zu hören. Keine Frage, was so wohltönend klingt kann nur eine Ballade sein. Dem ist so. Zu den gefälligen Balladen gehört auch der Titel „Letter“ mit der schwelgenden Gitarre von Carl Morgan im Fokus.


„Small Specials“
Ein rhythmisch ungewöhnlicher Song, der sich zwischen subtil swingenden Läufen und sperrigen Akzentuierungen bewegt, stilistisch jedoch nicht klar zu bestimmen ist. Macht nix! Denn das ist ein Titel, den sich Tom Berkmann auf den Leib bzw. den Korpus seines Kontrabasses „zugeschnitten“ hat. Der Bassist generiert viele Läufe, die das Griffbrett rauf und runter huschen: teils swingend gezupft, teils markant rockig anschlagend, dabei stärker die tiefen Lagen bevorzugend – da klingt der Kontrabass am Eindrucksvollsten. Das Ganze wird mit einem dezenten Support der anderen, besonders den Drums subtil ergänzt

 – Small Specials? No, Big Specials!


„To Each His Own”
Der Titel ist eine Referenz auf den Patrice-Rushen-Song „To Each His Own“. Zu hören ist ein stark aufgerauter, rockiger Rhythmus, in den der Bass seine Motive wuchtig zupft und die Drums schwere, gerade Beats schlagen. Das Tenorsaxofon von Ben Graef erhält das Privileg, Geschichten zu erzählen. Das geschieht souverän in einer der vielen Varianten des Bob – sei es  Be-, Hard-, oder gar Post-Bob. Anyway. Drummer Fabian Rosch verbleibt weiterhin in den durchgeschlagenen rhythmischen Betonungen, die dann in einem kurzen Solo gipfeln.


„Strings Attached“
Ein knappes Ostinato-Motiv des Basses und dann der ganzen Rhythmus-Fraktion machen den Auftakt, behalten es mit Variationen bei. Die heftigen Schläge der Drums konterkarieren die Soli des Kontrabasses, die sowohl episch balladenhaft als auch lyrisch filigran ausfallen.



Ankündigung A-Trane

JOURNEY ist das aktuelle Album des Bassisten TOM BERKMANN, einer der gefragtesten deutschen Kontrabassisten, der mittlerweile in Perth, Australien lebt. Seine musikalische Reise ist eng mit den Orten verbunden, an denen er gelebt und gewirkt hat. Aufgewachsen in Bayern, erhielt er bereits als Gymnasiast Unterricht bei Paulo Cardoso in München. Später zog es ihn nach Berlin, wo er tief in die pulsierende Jazzszene der Stadt eintauchte und am Jazz Institut Berlin studierte. In New York erweiterte er als Stipendiat der Manhattan School of Music seinen musikalischen Horizont, geprägt von der dortigen Vielfalt und Energie. Diese Stationen spiegeln sich in seiner Musik wider: die lyrische Sensibilität europäischer Jazztradition, die improvisatorische Freiheit Berlins und die rhythmische Kraft New Yorks – all das fließt in seinen Sound ein.


Beim Internationalen Kontrabass-Wettbewerb ‘Bass 2010’ in Berlin war er Semifinalist in der Kategorie Jazz. Als Komponist und Bassist für den Soundtrack von ‚Oh Boy‘ erhielt er 2013 den Deutschen Filmpreis für Beste Filmmusik und im Rahmen der Berlinale den Deutschen Kritikerpreis für Beste Filmmusik. Mit der Modern Jazz Band ‚Scopes‘ veröffentlichte er bereits zwei Alben, ‘Scopes’ und ‘Age of Reason’, als Co-Bandleader. Außerdem ist er regelmäßig mit verschiedenen Bands wie ‚Tobias Meinhart’s Berlin People‘ und ‚GANNA‘ auf Tour.


«Journey» ist ein musikalischer Reisebericht, in dem alle seine Einflüsse zu einem abwechslungsreichen, aber kohärenten Ganzen verschmelzen. Singbare Melodien werden durch tiefe Harmonien untermauert, sorgfältig konzipierte Ideen entfalten sich frei in inspirierte Soli einer wunderbar ausbalancierten Band von Mitreisenden.


“Für mich ist Musik etwas für den Zuhörer – ich versuche nicht, eine Botschaft zu vermitteln: Legen Sie einfach die Platte auf, träumen Sie los und machen Sie Ihr eigenes Ding daraus!” Tom Berkmann




vollständiger BerichtWeitere KonzertbesprechungDirk Engelhart "Sketches of Jazz"
Autor: Cosmo Scharmer