XJAZZ! Festival 14 bis 18.05.2025 backup

Aki Takase´s Japanic - Berliner Jazzfest 2021 im Silent Green
Perfektionierte Überraschung in freier Form
Die folgenden Zitate sind aus diesem Konzert und beziehen sich ausschließlich auf das Spiel von Aki Takase, die mit dieser Besetzung zu hören war:
Aki Takase – Piano
Daniel Erdmann – Tenor- und Sopransaxofon
Dag Magnus Narvesen – Schlagzeug
Johannes Fink – Cello-Kontrabass
DJ Illvibe/Vincent von Schlippenbach – Turntables (Plattenteller), Elektronik
Stilistische Vielfalt
„Es ist nahezu unmöglich, die vielen stilistischen Überraschungen, die plötzlichen Genre-Wechsel, die musikalischen Brüche und die unzähligen Variationen ihres Spiels zu verfolgen oder zu beschrieben.“
Perfektionierte Überraschung
„Technisch perfekt, kann die Pianistin alles spielen, was in den Tasten und Saiten des Instruments steckt. Aber was spielt sie gerade in diesem Augenblick? Da sind kräftige, rhythmisch unheimlich versierte Anschläge zu hören, die in eine Melodie überzugehen scheinen. Weit gefehlt, denn jetzt springen die Figuren in eine freie Form, reißen das zuvor Gehörte mitunter brachial ein. Dann erklingt so etwas wie ein schneller, quirliger Bebop Swing, der treibt: unruhig, hektisch, nervös. Dieser Free Bop wird abgelöst durch kräftige, stakkatohafte Anschläge, die sich kurz darauf in elegante melodische Linien verwandeln. Aber das währt nicht lange, um dann durch freies Spielen im Reich der Atonalität abgelöst zu werden.
Tja, und so geht das reihum. Nahezu alle stilistischen Genres sind zu hören. Das Publikum weiß jedoch nie, welche Akkorde, welche Rhythmen, welche Tontrauben oder welche schönen wohlklingenden Melodien/Harmonien im nächsten Augenblick aufblitzen…. Perfektionierte Überraschung in freier Form ist das Zauberwort, das Ihrem Pianospiel innewohnt, neben ihrer technischen Perfektion.“
JAZZFEST BERLIN Aki Takase/Alexander von Schlippenbach -
„Four Hands Piano Pieces“ 02.11.2023 Haus der Berliner Festspiele
Die folgenden Zitate sind aus diesem Konzert.
Stoneblock
„Mit einer Komposition von Aki Takase geht es los und von den ersten Tönen ist klar, dass hier kompromissloser atonaler Jazz präsentiert wird. Wuchtige, brachiale Akkorde steuern beide Spieler bei, aber die von Aki Takase sprengen fast den Rahmen des Flügels. Was aus dem Flügel dröhnt sind mehr als akzentuierte Anschläge, mehr als genagelte Akkorde, mehr als stakkatohaftes Hämmern. Der Titel ist programmatisch für die erzeugten Klänge: Stoneblock. Ja, so klingt es, wenn festes Material wie Steinblöcke akustisch durch entfesselten Jazz mittels zwei Klaviere zertrümmert wird: Stakkatissimo. Solche Sprengungen des musikalischen Materials sind nur im Live-Konzert annähernd zu verstehen.“
Dialog
„Dagegen kommt der folgende Titel irgendwie versöhnlicher rüber. Weniger stakkatohafte gespielte Anschläge und Muster, sondern stärker rhythmische Bögen, die versuchen, mit moderaten „Harmonien“, einen vorsichtigen Flirt mit balladesken Klängen anzustreben. Ja, aber so ganz klappt der Flirt mit den liebreizenden Balladen dann doch nicht. Die Klangwelten, besser Klangexplosionen, der pianistischen Freigeister verhindern diese Annäherung und demzufolge heißt das Stück nicht „Liebelei“, sondern nur „Dialog“.
„Die Fremdkomposition „Allegro Agitato“ liegt dann zwischen den brachialen Klangwelten der „Steinblöcke“ und dem feinsinnigen „Dialog“. Im Titel sind vermeintlich auch so etwas wie „klassische“ Linien der Neuen Musik zu vernehmen. An anderer Stelle schimmert bisweilen ein freijazzig gewandelter Monk durch. Was auch immer, die unbändigen Improvisationen beider Protagonisten machen aus dem Titel ein vierhändiges, authentisches Werk von Aki Takase & Alexander von Schlippenbach – was auch sonst?“
Ida Lupino
„Wiederum anders darf der folgende Titel klingen. Die Pianistin gibt kund, dass ihre Lieblingskomponistin kürzlich verstorben sei. Als Hommage an die große Carla Bley zelebriert sie deren bekannte Komposition Ida Lupino: Das wäre auch keine treffende Hommage an Carla Bley, wenn Aki Takase das nicht auf ihre individuelle Weise täte: mit kurzen thematischen Anklängen, mit eigener Interpretationen der zugrundeliegenden Harmonien, mit freien expressiven Ausbrüchen aus dem Thema, mit exzellenten Figuren und kaskadierenden Läufen. Das alles betreibt sie auf allerhöchstem Niveau, das wohl nur als virtuos zu charakterisieren ist. Da ist nicht nur ihre ausdrucksstarke Fingerfertigkeit zu bewundern, sondern da ist eine Fingerakrobatik zu erleben, die sich aus der Spiel-Intelligenz ihrer Jazzmusik nährt. Und wenn dann das markante, melodisch gefällige Thema von Ida Lupino erklingt, dann ist ihre Hommage wohl als perfekt zu würdigen. So empfindet es auch das Publikum, bekundet es lautstark wie enthusiastisch.“