Altar Quartet 05.10.24 Schlot


Das 2. Konzert - in der Regel wäre das der 2. Set nach der Pause - gehört dem Altar Quartet Quartett aus der Slowakei. Nun, das sei schon verraten: nur Pianist und Tenorist sind aus der Slowakei, der Bassist ist aus Serbien und den Drummer haben sie sich aus Brasilien geholt - so international sind die Jazz-Szenen in aller Welt, eben auch in der Slowakei.


Altar Quartet – 2. Konzert
Nikolaj Nikitin (ts)
Ľuboš Šrámek (p)
Miloš Čolovič (b)
Matheus Jardim (dr)


Die Figuren und Läufe des Pianos steigern sich, werden etwas dramatischer. Ľuboš Šrámek schlägt nun markante Figuren in tiefen Lagen in den Flügel, die den Titel variieren. Ist das „nur“ ein Themenwechsel oder schon der nächste Song? Vermutlich ja. Das Spiel des Pianos ist jetzt schnell wie agil, unruhig hastend. Dazu verpasst Matheus Jardim am Schlagzeug dem Titel eine ordentliche Tracht Prügel, zumindest bearbeitet er seine Trommeln derart. Da bleibt dem Man am Tenorsax gar nichts anders übrig als bei seinen Improvisationen die musikalische „Sau rauszulassen“. Frei intonierend jagt Nikolaj Nikitin ohne Rücksicht, bläst die Harmonien aus dem Thema. Der Pianist neigt nun zu einer akzentuierten Spiel- und Anschlagsweisem, „zerhackt“ den Song. Und was machen die Drums? Die lassen nicht nach, Kraft und Energie in den Sound im Wortsinn zu schlagen. Einzig Miloš Čolovič am Bass bemüht sich um eher fließende Figuren als temporären Gegenpol. Dann ist mit dem Spektakel Schluss.


Ansage von Nikolaj Nikitin, erneute Vorstellung der Band und schon das nächste Stück präsent. Anzumerken ist, dass für die meisten Kompositionen Ľuboš Šrámek und Nikolaj Nikitin verantwortlich zeichnen. Nur die Titel werden entweder nicht erwähnt oder gehen irgendwie unter.


Nikolaj Nikitin obliegt mit dem Tenorsaxofon die Einführung. Schon nach den allerersten Klängen zeigt sich, wessen musikalisches Kind der Titel ist: eine pathetische Hymne, eine Hommage an den Meister John Coltrane in Stil von „Love Supreme“ präsentiert. Ein die Tonfolgen des Tenors ablösendes Duo zwischen Bass und Piano macht weiter, ihre Ideen gebend und wiederum aufnehmend. Dieses intensive Zwiegespräch verstärkt die lobpreisende Aussage. Diskret wie gekonnt begleitet Drummer Matheus Jardim, der mit den Klöppeln leise trommelnd kommentiert. Dann verändert sich das Geschehen. Der Sound wird intensiver, die Sequenzen des Quartetts werden energischer intoniert, die Musik erhält eine expressive, sogar eine dramatische Note. Gegen Ende des Titels setzt sich der hymnische Charakter der Komposition erneut durch.


Gänzlich anders kommt das folgende Stück daher: schnelles Tempo, quirlige Tonfolgen voller Kraft wie Energie, die zum Swingen gebracht werden. Das ist ein fetziger Titel, dessen forcierter Rhythmus antreibt. Das ist auch die Vorgabe, der Steilpass für das längst überfällige Solo des Drummers. Spät, aber nicht zu spät, darf Matheus Jardim sich munter austoben, dafür wird sein Trommeln und Schlagen umso besser. Bei der fälligen Zugabe zeigt das Altar Quartett, dass es auch Standards klassisch swingend zum Besten geben kann.


Konzertbericht vom 25.08.2023