Avishai Cohen Trio Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie

19. Mai 2022 XJAZZ Berlin
Der Charme der Champions League
Elchin Shirinov – Piano
Roni Kaspi – Drums
Avishai Cohen - Bass
Für den eiligen Leser
Themenvorstellung und -findung teilen Piano und Bass unter sich auf. Das Ergebnis ist zunächst ein kammermusikalisch angehauchter Piano-Trio-Jazz. In diesen leicht balladesken Sound springen nun Beat und Rhythmen, die von Bass und Drums subtil, aber wirkungsvoll, erzeugt werden, um sich stetig mit dramatischen Akzenten zu steigern. Das Ergebnis: komplexe Rhythmen der Drums, ein variantenreiches Improvisieren des Pianos und der - in dieser rhythmisch Brandung fest stehender - Granit-Bass von Avishai Cohen, der genial die Elemente Rhythmus und Harmonie mit seinen melodischen Figuren verbindet. Die souveräne wie uneitle Spielweise des Trios verströmt neben der expressiven Aussage viel Charme. Hingehen!
Der Reihenfolge nach. Wer hier im Kammermusiksaal der Berliner Philharmonie spielen darf, der hat es geschafft. Aber gilt das auch für Jazz? Das ist spannend.
Die Titel im Detail
Einführung. Das sind ein paar Akkorde des Pianos, die bald darauf von den Figuren des Basses ergänzt werden, die in sein erstes Solo münden. Die Drums werden schön leise geschlagen, dem Ambiente des ehrwürdigen Saals entsprechend oder der Intuition der Trommlerin geschuldet. Der Sound ist sehr gut abgestimmt, was keine Selbstverständlichkeit ist, denn der Saal ist – wie der Name verrät - für klassische, rein akustische Kammermusik konzipiert. Für Verstärkung und Abstimmung eine Herausforderung. Nach einem kurzen Solo auf dem riesigen Konzertflügel wird das Eingangsthema wiederholt, der WarmspielTitel kommt bei verhaltenem Spielen der Drums zum Ende.
Einführung. Das sind ein paar Akkorde des Pianos, die bald darauf von den Figuren des Basses ergänzt werden, die in sein erstes Solo münden. Die Drums werden schön leise geschlagen, dem Ambiente des ehrwürdigen Saals entsprechend oder der Intuition der Trommlerin geschuldet. Der Sound ist sehr gut abgestimmt, was keine Selbstverständlichkeit ist, denn der Saal ist – wie der Name verrät - für klassische, rein akustische Kammermusik konzipiert. Für Verstärkung und Abstimmung eine Herausforderung. Nach einem kurzen Solo auf dem riesigen Konzertflügel wird das Eingangsthema wiederholt, der WarmspielTitel kommt bei verhaltenem Spielen der Drums zum Ende.
Weiter geht´s. Ein akzentuierter, schneller Beat fegt los. Bass und Piano treffen sich in einer unisono gespielten Melodielinie, dann macht der Bass mit einer Ostinato-Figur weiter. Ein wenig suchendes „Geplänkel“ von Bass und Drums sorgen dafür, Rahmen und Spannung, auf das sich anbahnende Solo von Pianist Elchin Shirinov zu erhöhen. Der gibt eine erste Kostprobe seines Könnens. Das Thema nimmt Fahrt auf, der Rhythmus schwankt zwischen Swing und Latin-Beat, dessen Raffinessen den Pianisten samt seinem Solo einfach mitreißen. Die Schläge von Roni Kaspi werden agiler, auch einen Tick lauter, verbleiben aber im Rahmen des treibenden wie unkomplizierten Titels.
Bass und Piano scheinen sich zu streiten, wer mehr zur harmonisch-melodischen Stimmführung beiträgt. Währenddessen werden die Besen gerührt, eine Ballade zeichnet sich noch nicht ab, es könnte aber eine werden. Aber nein, die Motive werden nur angerissen, angeschlagen, angezupft, nicht weiter ausgeführt. Figuren und Motive bleiben im minimalistischen Geflecht hängen. Zu wenig Geschichten für eine klassische Jazz-Ballade, aber ein gefälliger Song, rund gespielt, ohne Ecken und Kanten.
Die nächsten 2 Stücke. Eine einfach gehaltene Bass-Figur verleitet den Pianisten zum solistischen Spielen. Der baut das Thema aus, führt es verhalten weiter. Die Drums werden lauter, die Schläge kommen schneller, die Breaks nehmen zu. Die Schlagzeugerin spielt sich frei, dabei der Thema stets im Ohr habend. Die rhythmische Unterstützung des Basses liegt in einem einfachen, geraden Beat, der es Roni Kaspi ermöglicht, sehr raffinierte Rhythmen expressiv zu trommeln. Auch thematisch klingt es jetzt anders als in den zuvor gespielten Titeln. Nun erzählt Elchin Shirinov pianistische Geschichten in seinem Solo. Der Sound des Trios ist voluminöser, gewaltiger geworden, die dynamischen Elemente nehmen zu, steigern sich mitunter recht dramatisch. Alle drei gehen voll zur Sache, präsentieren ihre Musik expressiv.
Anschließend – nach kammermusikalischem Auftakt und rhythmischer Steigerung - zeigt Avishai Cohen seine Virtuosität. Von den zurückhaltenden Drums gut unterstützt, spielt er hohe Lagen, schnelle Läufe und integriert seine Figuren ins musikalische Thema. So auch beim gestrichenen Kontrabass des folgenden Titels, der die Klangfarbe eines Blasinstrumentes annimmt. Vom Rhythmus her gehört dieser Song in die Rubrik: ab geht´s oder Featuring the Drummer:in. Zunächst die tiefer gestimmten Trommeln schlagend, dann sich stetig im Ausdruck steigernd, erspielt sich die Schlagzeugerin allerhöchsten Respekt und Bewunderung. Weibliche Energie, Jazz-Power-Playing oder nur die „Schießbude zerlegen“, all das ist im Trommeln von Roni Kaspi zu finden. Und die will gar nicht aufhören, ihr gehen weder Kraft noch Ideen aus. Der getrommelte „Wahnsinn“ von Roni Kaspi. Damit nicht genug, denn jetzt greifen ihre Mitstreiter ebenso souverän wie enthusiastisch ins Geschehen ein.
Weiter geht´s. Ein jazziger Titel zwischen freiem Swing auf folkloristischer Basis entzieht sich einer klaren Zuordnung. Verhaltene Sequenzen, minimalistische Figuren des Pianos, sparsame Schläge der Drums, die gezupfte Melancholie des Basses erzeugen eine herbstlich getönte Ballade. Alles drin.
War´s das? Fast, es bleibt das virtuose Spiel von Pianist Elchin Shirinov zu würdigen. Oft uneigennützig das solistische Spielen der anderen durch akzentuierte, stakkatohafte Figuren länger unterstützend, zeigt er gelegentlich seine pianistische Spiellaune in ausschweifenden Soli.
Fatal, folgendes im Spiel von Avishai Cohen zu unterschlagen: Mimik, Gesten, Körpersprache. Schon die Körperhaltung zum Bass verhöhnt jede klassische Ausbildung. Nicht hinter, sondern neben dem Bass stehend, eher tänzelnd. Da werden die Fäuste vor Begeisterung in die Luft geschlagen. Avishai spielt stark perkussiv, klare Linien, markante Figuren, knackige Klangfarben, gestrichene Melodiebögen klingend wie Blasinstrumente Eine Seelenverwandtschaft zum Altmeister Charles Mingus ist unverkennbar.
Vier erklatschte Zugaben: hebräischer melancholischer Gesang von Avishai mit Pianobegleitung, ein virtuos gestrichener Bass mit Vokaluntermalung – Avishai Cohen präsentiert den Song Sometime I Feel Like a Motherless Child in bisher ungehörter Weise -, dann noch mal das Trio mit kompakten Sound, das erneut die Dame an den Drums glänzen und das Publikum toben lässt. Hingehen!