Bobo Stenson Trio beim Berliner Jazzfest 2021 im Pierre Boulez Saal

Bobo Stenson – Klavier
Anders Jornim – Kontrabass
Jon Fält - Schlagzeug
Der 1. Titel stellt sich mit gestrichtem Bass und ein paar Geräuschen der anderen Instrumente vor: Fiepslaute, Beckenschall, etwas Geklapper. Erste leise Töne des Pianos gesellen sich dazu, ein vorsichtiges Herantasten an die Musik. Dann treffen sich Piano und Bass zu einem Thema und lassen einen verhaltenen, eben den klassischen ECM-Sound erklingen, der mit federnden Besen der Drums zu swingen anfängt, natürlich behutsam. Es scheint sich also wenig geändert zu haben oder doch?
So wie der 1. Titel endet, so fängt das 2. Stück an: Bei Themen- und
Melodieführung und den kurzen Soli wechseln sich Bass und Piano gerecht ab.
Aber im Gegensatz im 1. Titel haut Jon Fält nicht nur metaphorisch auf die
Pauke. Real haut er mit festen, schweren Schlägen auf seine Trommeln, lässt die
Becken scheppern. Das Piano setzt akzentuierte Akkorde, der Bass rumpelt und
so robbt sich das Thema fort. Bobo Stenson steuert mit ein wenig sperrigen
Akkorden zum Klangbild bei, löst diese dann mit gängigen Läufen der rechten
Hand wohltönend auf. Der Sound hat sich also doch geändert, zumindest was die
rhythmische Komponente der Drums belangt.
Auch der folgende Titel bewegt sich zwischen den Polen Kammer-Jazz mit einem lyrisch-introvertiertem Piano und den etwas auffrischenden rhythmischen Einsprengseln von Drums und den Soli von Bassist Anders Jornim. Nach einer zu füllenden musikalischen „Pause“ mit Klappern und Scheppern, bringt das nächste Stück ein bewegtes Thema hervor. Die leicht swingende rhythmische Basis tönt mit Latin Tough und bewegt Bobo Stenson dazu, mehr aus sich herauszugehen. In Rage spielt er sich nicht, aber seine solistischen Läufe sind agiler als bei den vorherigen Titeln und zeigen jetzt auch die expressive Seite des Pianisten. Eine fetzige Komposition des Klassikers Don Cherry macht das möglich. Davon mehr!
Alles in allem spielt das Trio einen Sound, der so oder ähnlich schon Mitte der Siebziger Jahre zu hören war. Bobo Stenson ist sich und seinem ECM-Sound treu geblieben.