FETE Bigband & Gabriele di Franco 30.10.26 b-flat

FETE Bigband & Gabriele di Franco 30.10.26 b-flat
FETE Bigband meets Gabriele di Franco | The Value Of Choices
“The Value Of Choices”
Eingespielt wurde die Aufnahme von einer Big Band, die Gabriele di Franco in Belgien, seinem Wohnsitz, zusammenstellte. Nun, mit einer Big Band auf Tour zu gehen ist so gut wie unmöglich – terminliche wie finanzielle Erwägungen. Demzufolge war Gabriele di Franco gut beraten, sein Album mit der von Markus Ehrlich geleiteten FETE Band vorzustellen. In der Band sind vorzügliche Musiker der Berliner Szene vertreten, die in ihren eigenen Bands sowie in zahlreichen Projekten mitwirken und demzufolge sehr viel Erfahrung auf die Bühne bringen. FETE Bigband – das sind:
Reeds:
Otto Hirte, Leonie Freudenberger, Markus Ehrlich, Marc Doffey, Viktor Wolf
Trumpets:
Florian Menzel, Jan Kaiser, Dima Bondarev, Johannes Böhmer
Trombones:
Andrej Ugoljew, Nils Marquardt, Jan Jäger, Friedrich Milz
Rhythm:
Johannes von Ballestrem (piano), Max Leiß (bass), Tobias Backhaus (drums)
Special Guests:
Mette Nadja: Voice
Gabriele di Franco: Conducting
Gabriele di Franco hat die anspruchsvolle Aufgabe, seine Musik, seine Kompositionen und seine Arrangements mit der Berliner FETE Band so zu realisieren, wie das seinen Vorstellungen entspricht. Alle sind gespannt, wie das klingen wird.
Schon geht´s los. Aber nicht mit Musik, sondern mit einer Ansage. Gabriele di Franco begrüßt leutselig das Publikum, stellt sich und die Band kurz vor, erläutert die Geschichte des 1. Titels. Und die basiert auf einen alten sardinischen Choral, der von King Davd durch die Augen von „Betsabea“ betrachtet werden soll. Inhaltlich gäbe es wohl noch Verständnisfragen, aber musikalisch klingt der Song wie folgt.
„Betsabea"
Riffartige Akkorde der Gitarre stimmen ein. Drums & Bass liefern markante Beats, treiben den Song voran. Die Bläser inszenieren das Thema, verdichten es, entwickeln einen kompakten Sound. Darüber legt sich das 1. Solo des Horns von Dima Bondarev, der mittels der Flügel seines Horns luftig davonfliegt. Ein Wechselspiel zwischen den Improvisationen des Horns und den Sätzen der Bläser treibt Stimmung, Tempo wie Rhythmus voran. Auch Drummer Tobias Backhaus kann die Geschichte eloquent trommelnd fortführen. Intermezzo. Ein längeres Piano-Solo übernimmt, das diskret von Gitarren-Splittern sowie von Bass-Figuren unterstützt wird. Dann wird das solistische Piano von der Big Band wieder eingefangen, die erneut den Ausdruck hochschraubt. Das Blech „schlägt zurück“: expressiv, energetisch, gewaltig. Dass das alles so klingt, liegt auch am raffinieren Arrangement von Gabriele di Franco.
Der nächste Song hat etwas mit Inspiration zu tun und heißt demzufolge:
“Inhale (Inspira)”
Die Intro obliegt wieder der Gitarre, die mit dezenten Akkorden und Hall loslegt. Weiteren Hall versprühen jetzt die Flöten, später stoßen die Blechbläser ins hallende Horn. Das hat gewisse klassische, kammermusikalische Akzente. Die Holzbläser bevorzugen weiterhin die Flöten während das Blech mit satten Tonfolgen interveniert. Ein Solo von Bandleader Markus Ehrlich sorgt auf dem Tenorsaxofon für eine balladeske Stimmung. Dann entwickelt sich ein intensives Zwiegespräch, ein Duo zwischen dem Tenor-Sax und der Band. Und das klingt verdammt gut! Das Thema erdet sich etwas, aber nach wie vor gibt es diesen verdichteten, exakt strukturierten Big Band-Sound. Johannes Böhmer bläst auf der Trompete noch schnell ein balladenhaftes Solo, bevor „Inspira“ sich dem Ende nähert.
„Nothing“
Die Notizen haben noch einen anderen Eintrag:“Que“. Wie auch immer, der Song hat was mit schlaflosen Nächten zu tun, so Gabriele di Franco. Diesmal kommt die Einführung von dem Bariton-Saxofon, das von einer Klarinette unterstützt wird. Das Thema lug noch vorsichtig hervor, aber schon bald nimmt es Fahrt auf, prescht voran, volle Kraft voraus meint die Big Band und so tönt es auch. Das folgende kurze Intermezzo gehört dem Piano, das von den kurz wie scharf angerissenen Tonfolgen der Bläser abgelöst wird. Der Rhythmus, besonders die Drums schlagen, akzentuierte Beats, ziemlich rockig präsentiert. Die Stimmführung jedoch liegt bei der Big Band. In diesem kompakten Sound schmettert Dima Bondarev sein Solo auf dem Flügelhorn. In gleicher Weise – nämlich balladesk – intoniert Viktor Wolf sein Solo auf dem Tenorsaxofon. Dann übernimmt FETE wieder die Führung, schraubt sich dynamisch hoch: volles Rohr, volle Power.
„A Child in Born“
Ein Titel von Thad Jones, der sich gut für Balladen mit Gesangs-Unterstützung eignet. So auch hier und jetzt im b-flat. Dazu bittet Garbriele di Franco sein speziellen Gast auf die Bühne: Sängerin/Vokalistin Mette Nadja.
Die Einstimmung kommt diesmal vom Schlagzeug, ungewöhnlich, aber passend. Tobias Backhaus rührt dazu seine Trommeln mit den Besen. Das Flügelhorn stellt das melodische Thema vor, mit dezentem Suppor von Gitarrensplittern wie den Linien des Basses. Dann übernimmt die Stimme. Mette Nadja artikuliert die Ballade, wie es Komposition und Titel entspricht „A Child in Born“: zärtlich, gefühlvoll, passioniert. Ein lyrisches Solo des Bariton-Saxofons löst den Gesang ab. Der Rhythmus kreiert weiterhin die erforderlichen Beats, die Drums sind mit federnden Anschlägen des Besen zu hören. Ein dahingleitender frischer Swing ist das Ergebnis. Primär Bas & Drums geschuldet. Dann ist es an Florian Menzel die Klangfarben seiner solistischen Trompete in den Song zu tupfen. Aber die Titelmelodie gehört dem Gesang, der wieder erklingt. Mette Nadja singt famos gegen die nun geballte Big Band an. Das ist bei einer Ballade, die nicht zu laut, und höchst sensibel intoniert werden soll, kein leichtes Unterfangen. Mette Nadja löst es mit Bravour. Dann ist es schon Zeit für die Pause.



