Gal Liraz Quartett 10.09.26 Alte Feuerwache Friedrichshain


Gal Liraz Quartett 10.09.26 Alte Feuerwache Friedrichshain


Besetzung:
Gal Liraz_Saxophon
Gur Liraz_Gitarre
Danny Sorek_Bass
Omri Gondor_Schlagzeug


Das Ambiente
Es gehört zum Stil des Hauses der Alten Feuerwache, die Musiker mit ihren Biographien detailliert vorzustellen. Das übernimmt stets Vokalistin/Moderatorin Marina Thalke in lebendiger wie empathischer Weise. So auch jetzt. Marina Thalke stellt die Gäste detailliert vor, erläutert ihre vergangenen wie aktuellen Tätigkeiten und Projekte.


So erfährt das Publikum, dass der Saxophonist Gal Liraz und Gitarrist Gur Liraz Zwillingsbrüder sind. Bezüglich Gur Liraz erwähnt sie, dass er Schüler der Jazzgitarren-Legende Peter Bernstein in New York war. Dann gibt es noch  Informationen über Bassist Danny Sore wie Drummer Omri Gondor.


Weiterhin bemerkt sie, dass die Brüder Liraz in verbeschieden sozialen Projekten aktiv sind wie dem „Mitmach-Musik“, welches Integration durch Musik zum Ziel hat. Martina gipfelt solche Tätigkeiten in dem Ausspruch: „Ich glaube an die Kraft der Musik“.


Auftakter

Schon erklimmt das Quartett die Bühne, legt los. Der erste Song klingt nach einem Standard, mehr noch nach einem traditionellen Zwei-Takter. Dann wechselt der Rhythmus in einen moderaten Swing, in eine Variante des Bob. Dezenter Bass und sparsame Drums liefern die Grundlage für die Schleifen des Tenorsaxofons und die Improvisationen der Gitarre, die mit einem längeren Solo zu hören ist. Gur Liraz kreiert ruhige Linien, verzichtet auf aberwitzig schnelle Läufe, lässt den „Gitarrero“ außen vor. Ein sehr  kurzes Drum-Solo, nur angerissen, beendet den Auftakter. Wenn die Aufzeichnungen nicht trügen, so könnte das ein Titel von Blue Mitchel gewesen sein.


Weiter – so erfährt das Publikum später – geht´s mit einem Titel von Charlie Parker, wobei – wie Gal Liraz bemerkt – seien die Harmonien aus „Embraceable You“ von Gershwin übernommen.


„Quasimodo“

Das Saxofon legt thematisch vor. Auch dieses Stück huldigt dem vertrauten Standard. Stilistisch ist der Song ähnlich dem Vorgänger, wird jedoch schneller gespielt. Das 1. Solo gehört erneut der Gitarre, die mit sparsamen Akkorden wie Läufen ertönt. Auch wenn´s klischeehaft klingt: wer will, der kann n´ Menge an Wes Montgomery raushören, zumindest an traditioneller Jazz-Gitarre. Knappe Soli von Sax und Bass beenden den Titel, der für einen Bebop ruhig und unaufgeregt daherkommt.


Der folgende Titel sei „auch“ von Gershwin, so Gal Liraz, der weiterhin die Ansagen macht.


„Who Cares?“
Das Saxofon intoniert das Thema, das Quartett fällt ein, liefert einen zwar etwas schnelleren Swing als zuvor, aber auch hier bleibt es ruhig, ausgeglichen, fast mit einer Prise Coolness. Omri Gondoram am Schlagzeug macht was nötig ist, hält das Time Keeping, aber mehr ist von ihm nicht zu hören. Selbst in seinem späteren, kurzen Solo gegen Ende des Stückes ist er sehr zurückhaltend. Hier wäre mehr Drumming wirklich mehr.


Unterdessen treiben Bass und Gitarre den Rhythmus beschwingt voran. Gal Liraz nimmt sich Zeit für ein längeres solistisches Statement. In seinen Exkursionen improvisiert er ausgiebig Figuren wie Motive, bleibt dabei stets im Kontext der Harmonien der Komposition. Dergleichen ist von Gur Liraz´ Gitarre zu hören, dessen Solo dasjenige des Saxofons ablöst. Bassist Danny Sorek erledigt seinen Job zurückhaltend wie gut, ist ebenfalls nur mit den nötigen Figuren und Läufen dabei. Dann folgt das - schon zuvor erwähnte - kurze Solo von Schlagzeuger Omri Gondoram. Das Tenor-Saxofon bläst das Thema, lässt den Song ausklingen …


Der nächste Titel wiederholt das bisher Gehörte: mittleres Tempo, moderater Ausdruck, kein Hard- oder Bebob à la „Hot“, aber auch kein cooler Swing. Saxofon und Gitarre betreiben die Soli, wechseln sich diesbezüglich ab. Auf der Gitarre schlägt Gur Liraz lässige Akkorde, die an die Oktaven-Technik von Wes erinnern. Wie auch immer. Diese Akkorde passen gut zum Titel und zum Sound.


Fehlt was? Ja, eine Ballade. Die „muss“ noch kommen, was dann auch eintritt.


Die Ballade erweist sich als eine schwermütige Vertreterin des Genres mit dunkler Klangfarbe und herbstlicher Tristesse. Es ist an Gal Liraz die Geschichte zu erzählen, die eine Ballade definiert. Und so spinnt sein Tenorsaxofon den Faden, begibt sich in der Tradition des Story Telling auf dem Tenorsaxofon. Seine Phrasen, und besonders seine Intonationen können gut als Würdigung, als Hommage an die großem Tenoristen Ben Webster und Coleman Hawkins verstanden wissen. Zeit für ein überfälliges Bass-Solo. Danny Sorek nimmt sich dem an, zupft seine Figuren und Läufe ebenfalls als erzählte Geschichte, natürlicher mit anderer Phrasierung und Klangfarbe. Der Leser ahnt es. Das war ein Blues, ein Stück von Trompeter Kenny Dorham.


Zum Abschluss, als Rausschmeißer präsentiert das Gal Liraz Quartett ein Thema von Artie Shaw. Das ist ein schneller Swing, den der Rhythmus erzeugt, in den Sax und Gitarre ihre Soli werfen. Der Song hat mehr Tempo als alle vorherigen Titel, auch mehr Expressivität. Kurz: es ist noch richtig „hot“ geworden.





Album Kosmos