Green Desert Tree 29.09.2023 Berliner Artenschutztheater

Konzertbericht von Andre Tschackert
Die Band um den Pianisten Tim Sund, der als Mastermind oder berlinisch gesagt als „Seele von det Janze“ wirkt, haben sich dem Progressive Rock mit Ausflügen in den Fusion-Jazz verschrieben. Zumindest ist das ihr Anspruch.
Green Desert Tree ist:
Tim Sund - Keyboards, Backing vocals
Simon Rainer – Lead guitar (elect. & electroacoustics)
Sascha Giebel – Lead vocals, E-Guitar, Keyboard
Francesco Beccaro - E-Bass
Yatziv Caspi - Drums
In dieser Besetzung hat Green Desert Tree nun ihr zweites Album „FIGHTING DRAGONS“ eingespielt. Obwohl die CD erst im Frühjahr 2024 erscheinen soll, wurde die Musik schon mal live im Artenschutztheater präsentiert. Auch einige Titel des ersten Albums „Progressive Worlds“ von 2019 wurden vorgestellt.
Schon beim Betrachten des Bühnenaufbaus wird klar: In dieser Band sind die Keyboards tonangebend. Die Keyboard-Burg, bestehend aus insgesamt 4 verschiedenen Synthesizern - dominiert das Bild. Das ist alles andere als verwunderlich, ist doch Tim Sund, der Mann an den Tasten, Gründer und treibende Kraft von Green Desert Tree. Auch alle Kompositionen, die hier zu Gehör gebracht werden, stammen aus seiner Feder oder wie es sich digital gehört aus seinem Notebook. (Alternativen: PC? Computer? Komponier-Computer?) Tim Sund ist als Musiklehrer und Dozent für Jazz-Piano an einer Berliner Musikschule gut bekannt. Dieser Hauptberuf verschafft ihm die Bewegungsfreiheit für die Verwirklichung seiner eigenen musikalischen Ideen und Projekte.
Mit einer Ausnahme werden alle Titel mit Gesang vorgetragen, oft auch zweistimmig mit Tim Sund als Vokalist im Hintergrund. Das Genre schimpft sich Progressive Rock, aber es wäre keiner, wenn es in den Stücken nicht genauso lange instrumentale Passagen gäbe wie textliche Anteile.
Klanglich ist es eindeutig – das verrieten schon die Instrumente - eher Rockmusik mit elektrischem Bass, lautem Schlagzeug, verzerrten Gitarren und sehr vielen analogen und digitalen Synthesizern. Hier werden sich puristische Liebhaber von akustischem Jazz wohl mit Grausen abwenden. Alternativ seien ihnen ein paar ordentliche Lärmschutzstöpsel empfohlen. Harte, rockige Gitarrenriffs wie schneidende Keyboard-Klänge wechseln sich ab mit gefühlvollen, lyrischen Passagen und sphärischen Klanggemälden. Und genau das macht den Reiz dieser Live-Musik aus. Dass insbesondere Komponist Tim Sund vom Jazz und nicht von der Rockmusik kommt, wird in den verwendeten Elementen deutlich: Kompositionen mit zahlreichen modalen Wendungen, gelegentliches Wechseln der Tonart, ausgedehnte Synthesizer- und Gitarren-Soli, anspruchsvolle Polyrhythmik und Last not Least, hohe musikalische Vielschichtigkeit.
Leider fand das Konzert - mit nur 30 bis 40 Zuhörern - nicht die Beachtung, die es verdient hätte. Und hier schließt sich der Kreis zur Jazzmusik im engeren und weiteren Sinne.
Autor Andre Tschacker
Konzertbericht vom 25.08.2023

