Hila Kulik Group 04.04.25 ZigZag


Hila Kulik Group 04.04.25 ZigZag


Hila Kulik - piano (IL)
Ben Kraef - sax (DE/MNE)
Josh Ginsburg - bass (USA)
Jordan Dinsdale - drums (UK)



„November 15“
Einführung durch das Piano. Das Tenorsaxofon bläst die gefällige Titelmelodie. Song, Sound und Spielweise haben viel von der süßen Schwere und der leichten Nachdenklichkeit einer Herbst-Ballade. Will heißen, ein wenig Schwermut schwingt und swingt mit. Bass und Piano sind nahe beieinander, ihr Spiel hat - wegen der Zurückhaltung der anderen - Duo-Charakter. Ben Kraef löst ab. Die Art und Weise der Intonationen, seine traditionsbewussten Improvisationen passen technisch wie stilistisch sehr gut zum Trio, verstärken den delikaten Piano-Trio-Sound auf Beste. Derart zufriedengestellt wird das begeisterte Publikum in die Pause entlassen.



Der 2. Set


Das ist immer spannend. Man kennt die Band jetzt ein wenig. Aber geht es so weiter? Oder erwarten uns Überraschungen? Beides wird zutreffen.


Schon erklingen erste dezente Anschläge des Pianos. Rhythmisch treibend mit einem Tough Latin. Es könnte ein Standard sein, es könnte auch eine herrlich swingende Komposition von Hila - in guter alter Machart von Standards - sein, nur zeitgemäß vorgetragen. Da sind perlende Figuren, stakkatohafte Anschläge, viele Triller und noch mehr zu hören. Den Zauberkasten „Grand Piano“ zum Klingen und Swingen bringen. Ein perfekt  - mit Titel und Figuren des Pianos  – abgestimmtes Bass-Solo von Josh Ginsburg führt weiter zum Schwelgen im Sound. Auch die Drums unterstützen den Titel vorbehaltlos. Die akzentuiert mit den Besen geführten, knappen Anschläge von Jordan Dinsdale konzentrieren sich auf das Wesentliche des Rhythmus. Hilka verrät den Titel, der im Gemurmel des Publikums leider untergeht. Was von Oscar Peterson. „In the Secret?“ oder so. Das muss genügen. Titel von Oscar sind Referenz genug.


„Kulikvium“
Darin versteckt sich viel von Hila, das durch den Titel ans Licht will. Ein Bass-Solo betreibt die kurze Einführung, dann sind alle mit von der Partie. Auch Tenorsaxofonist Ben Kraef ist voll dabei. Mit kraftvoll geblasenen Sequenzen beginnen seine Improvisationen. Da sind markante Phrasierungen wie verschachtelte Schleifen und expressive Intonationen zu hören, da gibt es viel voluminösen Tenor-Sound zu entdecken. Währenddessen macht Jordan Dinsdale einen guten Job, trommelt unauffällig wie unaufgeregt, geradezu cool, hält den akzentuierten Rhythmus am Laufen. Das Piano löst dann wieder die ausführlichen Tonfolgen des Saxofons in bekannter wie gekonnter Weise solistisch ab.


“When Light Glows Through Your Window”
Schöner Titelname, schönes Stück. Schon die Piano-Einführung lässt die Ballade erahnen, was sich sogleich durch die balladeske Erzählweise des Klaviers bestätigt. Drums & Bass runden rhythmisch ab. Zunächst werden die Felle noch mit den Besen gerührt, dann greift der Drummer zu den Stöcken; Rhythmus wie Song insgesamt entwickeln sich leicht ins Dramatische. Es obliegt danach dem Solo von Josh Ginsburg, die Spannung des Titels wieder runter zu ziehen, ihn zu erden, den Balladencharakter wieder zu erhöhen. Dazu tragen auch die kristallenen Anschläge des Pianos erheblich bei, um das Licht, das durchs Fenster dringt, zu erhellen.  


„Captain D“
Das ist, so Hila Kulik, ihr geliebter Bruder, ein Pilot. Nun, schnell, mit fliegenden Tonfolgen versucht das Quartett, dem Anliegen des Titels gerecht zu werden, was auch gelingt. Besonders das Saxofon von Ben Kraef drückt diesem Flug (Magic Carpet Ride) sein Markenzeichen auf: geschwind bläst er die Skalen rauf und runter, schnelles Tempo seiner Sequenzen, dramatischer Gestus in seinen Tonbildungen. Dazu gesellt sich das Piano. Hila schlägt wilde Akkorde, schient um ihr Leben spielen zu wollen und macht so aus dem sonorigen Titel einen fetzigen „Rausschmeißer-Song“, der dem Publikum dann den Rest an Zufriedenheit wie Wohlfühlen schenkt.

Donnernder Applaus und Bravo-Rufe erzwingen die Zugabe, die sich als wohltönender Standard erweist, den Hila unbegleitet präsentiert und der die Anwesenden mit guten Gefühlen nach Hause begleiten wird.


Ankündigung Avishai Cohen