Jazz in den Ministergärten 2023 - Nils Wogram Septett


Nils Wogram Septett
Wir sind in „Niedersachsen“. In seiner Ansage erklärt Nils Wogram, dass es eine „alte Band“ sei, die nach längerer Zeit sich wieder formierte. Das Septett, mit der Ausnahme eines Drummers, nur aus Holz- und Blechbläsern bestehend, zeigt sofort, welche Spielweise angeboten wird: Bläsersätze, in denen ein Teil der Bläser Riffs und andere Hintergrundstimmen erzeugt, ein anderer Teil sich um thematische Figuren kümmert, während wieder andere solistisch zu hören sind. Nach kurzen, verschachtelten Bläsersätzen zu Beginn des Titels sind dann reihum Soli zu hören. Den Anfang macht die Posaune von Nils Wogram, der nicht wie oft ein langes Statement abgibt, sondern sich knapp hält, um den anderen Gelegenheiten für ihre Soli zu geben.

Claudio Puntin – Klarinette
Stephan Meinberg – Trompete
Wanja Slavin – Alt Saxofon
Niels Klein – Tenor Saxofon
Nils Wogram – Posaune
Viktor Wolf – Bari Saxofon, Bass Klarinette
John Schröder – Schlagzeug

Neben diesen Themen, die Holz und Blech stark verdichten, gibt es auch ruhige, fast balladenhafte Titel, die von den Klarinetten vorgestellt werden, um dann wieder von den Bläsersätzen abgelöst zu werden. Die Klarinette erspielt sich vorsichtig ein Duo mit der Bass-Klarinette. In diesen verhaltenen Austausch der Töne fallen dann die Bläser mit wuchtigen Klangfarben ein, die in einem - in hohen Tönen geblasenen – Trompeten-Solo gipfeln, das mit seinen metallisch scharfen Klängen einen Gegenpol zu der mit Dämpfern gestopften Posaune bildet. Während der Soli generieren die Blasinstrumente kurz angeblasene, knappe Figuren in ständiger Wiederholung, die sonst von Kontrabass oder Piano übernommen werden. Ohne diese Instrumente, ist es Aufgabe der Bläser, diese Funktionen der harmonisch melodischen Grundstimmung auszuüben. In diesen Ostinato-Figuren gibt es nur leichte Variationen, die minimalistisch gehalten sind.

Es gibt auch einige Passagen, die von der geschilderten Struktur abweichen. Ein Duo des Baritonsaxofons mit dem Drummer, - der meistens auf sich allein gestellt - versucht, ein rhythmischen Gegengewicht zu den Bläsern herzustellen. Die Saxofone haben ein leichtes Übergewicht bei den Soli. Besonders das Altsax darf seine schrillen Schreie in die Titel schleudern. Neben seiner Posaune bläst Nils Wogram auch ein E-Piano-Keyboard. Als Auflockerung entströmen diesen Tasteninstrument (wirklich mittels Schlauch geblasen) Töne und Klangfarben, die ein wenig an Akkordeon erinnern. An Stärke und Ausdruck seines Posaunenspiels reichen diese Sequenzen in keiner Weise. Fazit: Wer diesen Sound richtig genießen will, der sollte schon eine starke Vorliebe für sehr viel Holz und Blech mitbringen.

Konzertbericht vom 25.08.2023