Jazzfest Berlin 2026 Alexander Hawkins Willow Music 29.10.26


Jazzfest Berlin 2026 Alexander Hawkins Willow Music 29.10.26


EROSÃO PERCUSSION TRIO //Anthony Braxton Septet // Alexander Hawkins Willow Music


Alexander Hawkins Willow Music

Alexander Hawkins Tentett - plus eins, wenn der Bandleader wie Komponist mitgezählt werden soll – verfügt über 5 Holbläser (das wäre jazzklassisch), ist mit dem Blech (eine Trompe & Posaune) nur sparsam besetzt, aber hast mit der dicken Tuba ein im doppelten Sinn ein Schwergewicht dabei. Der Rhythmus ist mit Piano, Bass & Drums wiederum jazzklassisch vertreten. Keine Standard Big Band, aber ein stimmgewaltige Großformation, die der britische Pianist hier als Novum auf dem Jazzfest präsentiert.


Alexander Hawkins Willow Music

Chelsea Carmichael – Flöte, Tenorsaxofon
Tom Challenger – Flöte, Klarinette, Altsaxofon
Marco Colonna – Klarinette
George Crowley – Bassklarinette, Tenorsaxofon
Stephen Davis – Schlagzeug, Perkussion
Nick Dunston – Kontrabass
Alicia Gardener-Trejo – Flöten, Bassklarinette
Alexander Hawkins – Klavier, Komposition
Olivia Hughes – Tuba
Charlotte Keeffe – Trompete
Matthias Müller – Posaune


Das Tentett beginnt mit einem deftigen Satz der Bläser. Dazu liefert der Rhythmus akzentuierte Beats. Weitere Einfälle der Bläser folgen, deren Sätze schnell ausufern und frei ausfranzen. Dagegen schlagen, zupfen und blasen, also kämpfen Drums, Bass und Tuba mit groben Bandagen an, will heißen: hart betonte Tonfolgen bilden einen Gegenpol zu den Bläsern. Die Brüder- und Schwesternschaft der Bläser macht - davon unbeirrt - weiter, produziert ein wildes, freitönende Spektakel. Das ebbt allmählich ab, die Stimmen kühlen runter, ein Intermezzo startet mit wenigen Klangfarben. Obwohl die Intensität nachlässt, bleiben die Sequenzen wie Improvisationen nichtsdestotrotz freitönend, bevor der Song ausklingt.


Der folgende Song tönt stark nach einem Thema von Thelonius Monk. Entweder ist das eine seiner weniger bekannten, aber stets schalkhaft schrägen Titel voller Ironie, oder Komponist Alexander Hawkins hat sich von Monk beeinflussen lassen. Davon ist wohl auszugehen. Anyway. Der Titel atmet den Geist von Monk, was sich sogleich in den fulminanten Bläsersätzen zeigt. Die sind neben der Exaktheit der Einsätze von schräg tönenden Klangfarben, die bestechen. Ein Reihe von Soli macht weiter die Improvisationen der stark besetzen Flöten von einem des Pianos abgelöst wird. Der Pianist erhält einen deftigen Support von Bass wie Drums, wobei auch die Tuba mithilft. Dann fallen erneuet Holz wie Blech ein, liefern sich untereinander ein freijazzendes „Gemetzel“. Der Rhythmus zieht sich ganz zurück, überlässt den Bläsern der weite Feld der ausgedehnten atonalen Improvisationen. Dann ertönt das Titelthema, erinnert erneut an Monk, das den Song beendet.


Ähnlich wie der vorige Titel endete, startet der nächste. Die Bläser legen fetzig los, der Rhythmus zieht nach, präsentiert sich ergänzend, auch mal gegentaktig sich artikulierend. Die tiefen Lagen, die primär durch Tuba, Kontrabass und auch durch die Posaune erzeugt werden, bilden einen schwergewichtigen Gegenpol zu den schrillen (Auf)Schreien der Bläser, die überwiegend von den stark vertretenen Holzbläsern generiert werden. Bezüglich der tiefen Lagen ist anzumerken, dass der Kontrabass es schwer hat, sich akustisch von der Tuba abzugrenzen. Deren Sequenzen überlagern die Linien und Figuren des Basses. Vom Aspekt des Hörens ist es mitunter nicht auszumachen, welche Motive und Tonfolgen welchem Instrument zuzuordnen sind. Vielleicht ist es auch so konzipiert, dass beide Instrumente nahezu die gleichen Töne spielen. Dann wäre es auch bei perfekter Aussteuerung nicht zu unterscheiden.  


Soli, Improvisationen. Die sind überwiegend den Blasinstrumenten überlassen. Die wiederum wechseln sich reihum ab, erhalten die Möglichkeit, sich in längeren individuellen Statements auszudrücken, was vorwiegend in freier Intonation erfolgt. Die Kollegen ziehen sich dann zurück, unterstützen nur partiell begleitend. Unter den Bläsern überwiegt hinsichtlich der Soli das Holz: Alto Sax, Tenorsaxofon und die Klarinetten sind öfter zu hören. Aber klar, auch Flöten, Trompete und Posaune können sich solistisch mal artikulieren. Ein Solo des Sopransaxofons findet gänzlich unbegleitet statt.


Es bleib anzumerken, das sich Alexander Hawkins mit seinem Pianospiel stark zurückgehalten hat, auch was die Stimmführung mittels des Pianos betrifft. Das holt er gegen Ende des Konzertes in einem längeren Soli nach, demonstriert seine Fähigkeit als improvisierender Solist.


Der Sound von Willow Music ist eine Cuvee aus komponierten Rahmenbedingungen mit viel Raum für individuelle Ausgestaltung. Diesbezüglich kann eine gewisse Affinität zu Anthony Braxton Musik entdeckt werden, wobei das Tentett von Alexander Hawkins einer „Big Band-Variante“ dieses Genres schon relativ nahekommt.



Album Kosmos