Jazzfest Berlin 2026 - EROSÃO PERCUSSION TRIO 29.10.26

Jazzfest Berlin 2026 - Donnerstag 29.10.2026
EROSÃO PERCUSSION TRIO //Anthony Braxton Septet // Alexander Hawkins Willow Music
EROSÃO PERCUSSION TRIO
Maria Portugal – Perkussion, Schlagzeug, Stimme
Emilio Gordoa – Perkussion, Live-Elektronik
Burkhard Beins – Perkussion, E-Bass
In Ihrer Ansage und Vorstellung des Trios feiert Nadine Deventer den Wahlsieg von Igncaio de Silva zum neuen Präsidenten Brasiliens. Mariá Portugal habe sich stark für Lula mittels ihres Blogs dafür eingesetzt, so die Kuratorin. Applaus!
Drei komplette Drums Sets nehmen die Bühne in Anspruch. Eines davon hat eine große, hängende Pauke im Hintergrund. Darüber hinaus haben alle 3 Sets jede Menge an Becken, Glöckchen, und sonstigen Geräten, die überwiegend metallisch klingen.
Mit metallischen Klängen startet auch das Trio: ein Arsenal an stehenden Metallbehältern verströmt – durch kleine Klöppel von Maria agil geschlagen – dezente fernöstliche Klänge. Die Kollegen bearbeiten Becken und einzelne Drums mit Klöppeln, diskret ihre Instrumentarium schlagend. Dieses 1. Stück verbleibt in modearten Anschlägen, nutzt nur eine kleine Teil des vorhanden Equipments.
Das bleibt im Wesentlichen auch im nächsten Titel so. Nur kommt jetzt der Gesang von Maria dazu. Auf Brasilianisch trägt sie einen etwas lyrisch gehaltenen Gesang vor, eine Art von Hymne, eine Hommage an irgendwas. Ihre Mittrommler unterstützen sie, behalten sich aber weiterhin bedeckt mit ihren Aktionen, es bleibt meist bei Splittern, Fetzen, kurzzeitigen Anschlägen. Die Perkussionisten bleiben bei ihrer diskreten Art des Supports, die Stimme erhebt sich in den Fokus.
Der folgende Stück kommt den Klängen eines Perkussion-Ensemble, was sich durch das Equipment der Drums wohl als ein trommelndes Trio versteht, schon näher. Alle 3 bearbeiten ihre Trommeln wie Becken intensiv, erzeugen einen rhythmisch treibenden Sound, in dem Maria die „melodische“ Stimmführung übernimmt, die Kollegen stärker rhythmisch ergänzen. Aber bezüglich Tempo, Schlagkraft und Trommel-Power wird nicht übertrieben. Sie dreschen nicht, erschlagen weder Song, noch Publikum, bleiben in einem „Erzähl-Modus“, ihre Anschläge wollen was erzählen.
Dann wird es mit dem Trommeln wieder stiller, langsamer, verhaltener. Maria intoniert ihre einsetzenden Tonfolgen erneut in der Art eine Hommage mit Pathos in der Stimme. Diesbezüglich hat ihre gesangliche Artikulation etwas von einer beschwörenden Ballade, mit brasilianischem Zungenschlag, mit perkussiven Beats die Kollegen. Es gibt noch weitere Titel, die dieser Charakterisierung entsprechen. In diesen „Songs“ (Cancio) überwiegen die ruhigen, dezenten Töne. Sie können durchaus als Titel eines Singer/Songwriter-Genres verstanden werden, jedoch mit brasilianischer wie perkussiver Klangfärbung.
Für die Aficionados eines stärker trommelndes Klangerlebnis gibt es ein weitere Stück, das vom Rhythmus, Tempo wie Ausdruck dem 3. Titel nahekommt. Es werden nun mehr kraftvolle, auch energetische Anschläge kreiert, ein agiles Trommelten generiert einen avancierten Rhythmus.
Das EROSÃO PERCUSSION TRIO hat eine eigene Sprache, auch einen individuellen Dialekt, der jedoch zu Lasten eines sehr sparsamen Trommelns geht. Mehr Perkussion aus der reichhaltigen brasilianischen Trommeltradition hätte dem Trio auch gut zu Gesicht gestanden.



