Jazzfest Berlin 2026 - ganavya - 01.11.26


Jazzfest Berlin 2026 - ganavya - 01.11.26


Sonntag 01.11.2026
Graewe / Jones / Drake // ganavya // Globe Unity Orchestra


Line-up ganavya


ganavya – Stimme
Miriam Adefris – Harfe
Sebastian Singwald – Kontrabass


Verglichen mit dem Konzert zuvor  - Trio Graewe/Jones/Drake und dem nachfolgenden Konzert des Globe Unity Orchestra von Alexander von Schlippenbach – ist es ein großer stilistischer Bruch. Von einer - wie auch immer sich artikulierenden - Form des Free Jazz ist nicht die geringste Spur. Das Trio um die Sängerin/Vokalistin ganavya präsentiert aber auch keinen Jazz. Das ist unabhängig der Variante oder der zahlreichen Genres, die der Jazz im Laufe seiner Geschichte ausbildete. Nichts davon ist zu hören. Nun, was für eine Musik bringt das Trio um ganavya auf die Bühne des Jazzfestes?


Die Besetzung ist sehr ungewöhnlich. Harfe und Kontrabass sind zunächst einmal klassische Instrumente. In ihrer Kombination mit dem Gesang kommen sie dem Genre Singer/Songwriter schon näher, wobei die allermeisten Vertreterinnen dieses Genres auf der Gitarre und dem Piano ihre Songs darbieten. Der Gesang von ganavya hat jedoch wenig bis keine Analogien mit dem Singer/Songwriter-Genre. Dafür sorgt die modulierende Stimme der Sängerin, die sich am Stärksten aus der folkloristischen Tradition Süd-Indiens speist. Die Tonfolgen folgen verschiedenen Skalen, die sich dramatisch steigern, einen immer stärken emotional bewegten Ausdruck annehmen. Diesbezüglich gibt es gewisse Ähnlichkeiten mit orientalischem Gesang, wie er sich aus der arabischen, türkischen oder persischen Tradition artikuliert. Das ist auch in aktuellen, populären Varianten dieser Musik noch vorhanden.


Miriam Adefris erzeugt durch das sanfte Zupfen der Harfe einen Klangcharakter, der sich zwischen klassischen Sequenzen und folkloristischen Tonfolgen bewegt, dabei öfter pendelt. Ja, sogar eine feinherbe Süße von Exotik verströmen die Harfenklänge. Diese werden von dem ebenso dezent gezupften Kontrabass von Sebastian Singwald aufgefangen, tieflagig mit sparsamen Figuren abgerundet.


Im Fokus befindet sich die Sängerin, die ihren Gesang in längeren Schleifen präsentiert. ganavya lässt sich dabei teilweise zurückfallen, setzt für einige Takte aus, um erneut zu beginne, erneut ihre Sklaven zu beschwören. Sie singt vorwiegend Text, der jedoch als exotische Sprache das Klangbild von Scatting, Verbalakrobatik oder Phantasie-Sprachen annehmen kann. Vermutlich sind es traditionelle Geschichten, die ganavya hier singend erzählt. Aber es könnten natürlich auch eigene Texte wie selbst kreierte Musik sein, die zu ihrem Repertoire zählen, die sie hier im Konzert präsentiert.


Harfe und Kontrabass, der teilweise auch gestrichen wird, erzeugen filigrane Klänge, die als lyrisch, poetisch oder gar balladesk zu verstehen sind. Und da die Sängerin wohl Geschichten erzählt, wäre die Musik des Trios auch als Ballade zu verstehen. Solistisch kommen Bass wie Harfe weniger zur Geltung. Zwar spielen sie im Rahmen ihrer Begleitung auch einige solistischen Sequenzen, aber längere Soli, ausgedehnte Improvisationen sind nicht zu hören. De Tonfolgen der Harfe sind die Ausnahme. Gegen Ende des Konzertes hat Miriam Adefris die Gelegenheit solistisch etwas länger zu spielen, ein balladenhaftes, kammermusikalische Solo ihrer Harfe zu entlocken. Ein solches Solo hätte auch von Sebastian Singwald kommen können. Ahnungen davon lässt der Bassist hier du da dezent verlauten.


Nun, die Musik des Trios hat was Strömendes, Fließendes, Dahingleitendes. Insofern ist die Metapher des fließenden Wasser angebracht. Auch ist es eine Musik zum Innehalten, Loslassen, Sich-Einlassen. Dieses Konzert als „Intermezzo“ zwischen die beiden freijazzenden anderen Konzerte zu positionieren, war eine gute Idee. Der eine oder die andere wird das sanft Strömende in dieser Musik als sinnvollen Ruhepol zwischen zwei energetischen Konzert-Ereignissen verstehen und gutheißen.



Album Kosmos