Jazzfest Berlin 2026 Graewe/Jones/Drake 01.11.26


Jazzfest Berlin 2026 Sonntag 01.11.2026
Graewe / Jones / Drake // ganavya // Globe Unity Orchestra

 

Graewe/Jones/Drake

Line-up
Georg Graewe – Klavier
Brad Jones – Kontrabass
Hamid Drake – Schlagzeug, Rahmentrommel, Stimme


An der free-jazzenden Vergangenheit von Pianist Georg Graewe, die sich auch ganz aktuell wieder bestätigte sollte, gab es sicher keinen Zweifel. Wie jedoch kollektive wie atonale Improvisationen – jetzt im Trio -  sich konkret artikulieren würden, das war und ist nicht vorhersehbar, bleibt stets spannend. Hinein ins Konzert. Dass Trio macht den Anfang des letzten Konzertabends der 60-zigsten Jazztage oder neudeutsch formuliert: Graewe, Jones & Drake sind die „Opener“.


Georg Graewe lässt es sich nicht nehmen, zunächst allein, anzufangen, einzustimmen, schon mal vorzulegen. Das geschieht  - für seinen bevorzugten Stil – noch verhaltend, vor- wie umsichtig. Da können einzelne Tonfolgen als in Ansätzen tonal, wenn nicht sogar mit lyrischen Ausdruck wahrgenommen werden. Nach und nach kommen die Kollegen am Schlagzeug und Bass hinzu, bleiben zurückhaltend, überlassen dem Pianisten den Vorrang. Diesbezüglich ist es relativ unwichtig, ob ein Trio stärker jazzklassich tonal oder atonal sich artikuliert, in den meisten Fällen überlässt der Rhythmus dem Pianisten die Stimmführung. So auch hier.


Nichtsdestotrotz. Drums wie Bass spielen sich allmählich ein, verstärken ihren Ausdruck, bleiben jedoch überwiegend im Hintergrund. Dennoch sind sie es, die die permanenten Piano-Wellen auflockern, durch solistischen Artikulationen aufbrechen. Das tut gut, denn Georg Graewe bringt sich in einen „pianistischen Rausch“, nahe an einer Ekstase. Georg Graewe spielt – um eine sprachliche Metapher zu wählen – „ohne Punkt und Komma“. Ständig branden Wellen auf, permanent produzieren sein agilen Anschläge schnelle, quirlige Läufe. Da gibt es kaum Pausen oder Sequenzen von Ruhe, sondern es dominieren die auf-brandenden fast nie ab-brandenden Wellen. Georg Graewe generiert unermüdlich akustische Piano-Kaskaden. Sobald die eine sich hoch aufgeschaukelt hat, brandet schon die nächste auf.


Den Ausgleich bilden dann die Kollegen, die den Spanungspol zum Klavier bilden. Ihr rhythmisches Wirken übernimmt letztlich die Dramaturgie des Konzertes, die Abfolgen von gemeinsamen Aktionen, sei es „begleitend“ oder solistisch. Nun, solistisch ganz ohne Begleitung sind beide nur ab und zu hören. Besonders für den Bass ist es wichtig, das seine tiefen Frequenzen sich gegen die hohe Präsenz der aufbranden Piano-Wellen wie auch gegen die Anschläge der Drums sich durchsetzen. Dazu bedarf es ein weitgehend alleiniges Spielen. Brad Jones zeigt dann ein beredsames Spielen, er hat was zu erzählen. Sein musikalischer Ausdruck, seine Motive wie Figuren sind geradezu balladesk, bilden einen gewissen Ruhepol gegenüber dem zuvor – und schon bald wieder – dominierenden Piano. Diese Stilistik kann Brad Jones auch im Solo zeigen, wenn er den Kontrabass mit dem Bogen bearbeitet, was schon kammermusikalische Akzente setzt, dabei den Bass subtil streichend.


Dieses Spielen, dieses diskrete Zurückhalten des Basses gilt in gewisser Weise auch für den Schlagzeuger Hamid Drake. Der ist zwar ständig dabei, mit seinen Anschlägen, seinem Trommeln die Titel rhythmisch auszugestalten, aber das tut er bewusst zurückhaltend mit viel Feingefühl wie Souveränität. Er bevorzugt das unterschwelligen Anschlagen anstelle eines wilden Trommelns, oder gar Dreschens.


Nach den einzelnen Passagen, in den der Rhythmus stärker zur Geltung kommt, ist es wieder der Pianist, der in der oben beschriebenen Art und Weise seinen Konzertflügel bearbeitet. Georg Graewe, das sind: pfeilschnelle, perlende Läufe, unablässige Piano-Kaskaden. Nur was für ausgewiesene Aficionados eines Piano-Free-Jazz.



Album Kosmos