JAZZFEST BERLIN Ellen Arkbro & Johan Graden 04.11.2023 Haus der Berliner Festspiele

Die „Bläser“, die aus Bassklarinette, Posaune und dem nur bedingt blasbaren Cello bestehen, bleiben stets im Hintergrund, liefern langgezogen Töne mit wenig Figuren. In einer Big Band hätten sie die Funktion von Bläser-Sätzen, hier wirken sie als Chor. Über diesen Klangteppich legt die Stimme von Ellen Arkbro ihre Linien. Anders gesagt: sie sing. Trotz oder wegen des „Chores“ sind wir im Genre Singer/Songwriter, wenn auch mit trefflicher Unterstützung einer Jazz-Combo, denn zusätzlich sind noch Drums, Bass und Piano mit von der Partie.
Nach kurzem Auftakt durch die „Bläser“ fallen die übrigen Instrumente fast unmerklich ein. Das Piano hält sich mehr als zurück, der E-Bass zupft kaum Figuren, leise wie diskret streicheln die Drums die Felle. Die Musik ist ganz auf den Gesang, auf die Stimme ihrer „Frontfrau“ zugeschnitten. Thema und gesanglicher Ausdruck haben eine melancholische Einfärbung, die uns auch bei den weiteren Titeln begleiten wird. Bassklarinette und Cello spielen jetzt ihre Figuren unisono. Diesen herbstlichen Sound verstärkt ein zusätzliches Blech, indem Ellen Arkbro einzelne Sequenzen auf ihrer Trompete bläst. Das Thema nimmt etwas Tempo auf. So sparsam wie das Spiel der ganzen Band, ist auch das Solo der Trompete, denn schon ist wieder die zarte Gesangsstimme zu vernehmen. Der nächste Titel kommt etwas energischer zur Sache, mehr bewegtes wie kraftvolles Spielen ist nun angesagt, aber am Sound ändert sich nichts. Die Bassklarinette spielt schöne Ostinato-Figuren, die nur leicht variiert werden, die übrigen Bläser sind mit sich wiederholenden Riffs zu hören.
Balladesk geht´s weiter. Cello, gestrichener Kontrabass und Bass-Klarinette wie Posaune erzeugen tiefen Lagen. Die hohe Stimme von Ellen Arkbro bildet den ergänzenden Gegenpart. Im Text des Liedes wird vermutlich eine traurige Geschichte erzählt, denn so klingt auch der Sound der Band. Besonders das Singen von Liedern trägt zu dieser melancholischen Grundstimmung bei. Auffallend ist die extreme Zurückhaltung des Pianos von Johan Graden. Ein ausgemachtes Solo ist vom Co-Chef des Projektes nicht zu entdecken.
Damit es nicht zu trist wird, schlägt Drummer Konrad Agnas im folgenden Titel stärker auf seine Trommeln, wobei er seinem gefühlvollen wie differenzierten Spiel treu bleibt. Jetzt ist es an der Posaune von Nabou Claerhout zu demonstrieren, das kraftvolles wie expressives Improvisieren dem Gruppen-Sound gut bekommt. Der nächste Song hat sogar einen Namen, den die Sängerin verrät: „Postcard Greatings“. Die tiefen Moll-Lagen der „Bläser“ in Verbindung mit der Art und Weise des Singens tragen nicht dazu bei, eine andere als herbstliche Stimmung aufkommen zu lassen. Der Titel hat eine delikate Nähe zum Requiem. Warum auch nicht? Die beiden weiteren Titel bieten das bisher Gehörte. Zwar greift Sängerin Ellen Arkbro zur Trompete, spielt solistisch auf, aber ihre Soli sind sehr kurz. Da bleibt kein Raum, um das Thema durch die Klangfarbe der Trompete und ihren improvisierten Figuren zu erweitern. Schade!
Fazit: Die qualitativ gute wie originelle Musik der Gruppe könnte noch überzeugender ausfallen, wenn etwas mehr Abwechslung stattfände. In aller Vorsicht formuliert: Mehr bewegte, vorwärtstreibe Titel, die durch Rhythmus und Dur-Harmonien auch Optimismus beim Publikum auslösen könnten, würden das musikalische Projekt wohl nicht sprengen, sondern ergänzen.
Ellen Arkbro – Gesang, Trompete
Johan Graden – Klavier, Sythesizer, Klarinette
Lucy Railton – Cello
Petter Eldh – Kontrabass
Michiko Ogawa – Klarinette
Nabou Claerhout – Posaune
Konrad Agnas – Schlagzeug
Autor Cosmo Scharmer