Kenneth Dahl Knudsen Gloomers Bigband 13.03.25 - b-flat

Kenneth Dahl Knudsen Gloomers Bigband 13.03.25 - b-flat
VOCALS - Camilla Haugbjerg (DK)
TRUMPETS:
Jimmy Nyborg (DK) Lisa Buchholz (DE) Frida Beck (DE) Suzan Veneman (NL) SAXOPHONES:
Toms Rudzinskis (LV) Olga Amelchenko (FR) Oleksii Kolosii (DK) Lars Zander (DE) Elli Soos (DE)
TROMBONES:
von Lis Wesberg (DK) Anton Langdahl (DK) Kamilė Makarevičiūtė (LT) Maxine Troglauer (DE)
RHYTHM SECTION:
Lucas Illanes (DK) Davide Incorvaia (IT) Kenneth Dahl Knudsen (DK) Matias Fischer (DK)
„Rampler“
So schimpft sich der folgende Song, der die Bass-Posaune herausstellt oder auch Featuring Maxine Troglauer. Die Bass-Posaune solistisch zu erleben ist etwas Besonderes, das auch im Jazz, in den Big Bands, eher selten zu vernehmen ist. Anders beim Gloomers Orchester. Maxine Troglauer legt thematisch vor, spielt einige Sequenzen des Titels an, baut diese improvisatorisch aus: das sind tiefe, dunkle Tonfolgen, die betören wie verführen. Nun begleiten die hinzukommenden Trompeten diese - von der Bass-Posaune initiierte - wohltönende Ballade. Das Thema wird jetzt von der gesamten Bläserschaft in voller epischer Breite vorgetragen. Subtil im Hintergrund spielen Bass, Piano wie Drums sparsame Figuren. Die Trompete (Suzan Veneman?) erzählt die Story auf individuelle, lyrische Art und Weise, wird dann dramatischer in der Aussage. Die Bläserschaft fällt mit wuchtigen Sätzen ein, um dem nächsten Solo der Trompete ( Frida Beck?) sowie den agilen Linien des Altsaxofons von Oleksii Kolosii Gelegenheit zum Glänzen zu geben. Die balladeske Erzählweise bleibt bei allen Soli bestehen.CONDUCTOR - Malte Schiller (DE)
„Glow“
Dieser Titel macht mit geballter Big Band Power weiter. Über markant treibenden Rhythmen überfallen die Bläser Thema wie Publikum und generieren jenen Sound, der das Saxofon von Olga Amelchenko zu einem souveränen Soli treibt. Das Solo des Alts wirkt agil, ist hoch wie schnell und demonstriert, wie ein Alt zu spielen ist. Last not Least darf auch die Gitarre von Lucas Illanes ihren solistischen Beitrag leisten. Das Spielen aller ist nun ein vor Kraft strotzende Sound einer Big Band. In der Komposition ist alles drin: wohltönendes Thema, präzise Bläsersätze über rockiger Basis, mal gerade, mal ungerade Takte bevorzugend. Allein swingende Rhythmen sind nicht auszumachen. Macht nichts!
„Phoenix“
Auch der folgende Song beinhaltet alle zuvor aufgeführten Elemente einer zeitgenössisch aufspielenden Big Band. Vorstellung des Themas durch die Bläser, die ihren Tonfolgen stetig verdichten. Da ist die beste Grundlagen für Toms Rudzinskis Tenor-Solo. Das kommt arg fetzig daher, schneidet scharf die Sequenzen und übergibt an die Stimme von Camilla Haugbjerg. Dann sind es wieder die Bläser, die ihre Einsätze mit chirurgischer Präzision in den Raum, in den Club und die Komposition schmettern. Damit wird das enthusiastische Publik in die Pause entlassen.
2. Set
So wie´s aufhörte, so geht´s weiter: wunderbare Kompositionen, die klug arrangiert sowohl die Big Band als ganzen Klangkörper als auch die Vielzahl der solistischen Stimmen gleichermaßen zur Geltung bringen.
„Strangers“
(Love Song for)Strangers hat mit Einsamkeit in der Fremde zu tun. So der programmatische Titel und so die gesellschaftlichen, ja philosophischen Überlegungen des Komponisten Kenneth Dahl Knudsen. Er erläutert seine Gedanken, die zum Titel geführt haben, so detailliert, dass sie im Rahmen dieses Berichtes leider nicht wiedergegeben werden können. Zur Musik. Der „Fremde“ schwelgt in balladenhaften Melodien. Über diese Harmonien erhebt sich im Wortsinn der jazzige Groove einer Big Band, der die Solisten zu ihren Improvisationen animiert. Das ist jetzt Sache des Tenorsaxofons von Tom Rudzinskis, der mit seinem Spiel im Kontext der Ballade bleibt. Auch das anschließende Flügelhorn-Solo ist balladesk, erzählt seine eigene Geschichte.
Zwischenruf
Das nächste Stück kann repräsentativ für die Musik, den Sound der Big Band gelten: hohe Dichte der musikalischen Interaktionen, ausgefeilte verschachtelte Bläsersätze sowie deren präziser Einsatz, ein ausdifferenziertes Klangbild, virtuose Improvisationen der Solisten. Das alles basiert auf den wohltönenden Kompositionen und Arrangements von Kenneth. Das alles ist das Markenzeichen, das „Brent“ seiner Big Band. In diese Klangwelten stößt die Posaune von Lis Wesberg überfallartig ihre Sequenzen in den Titel, bläst entfesselt wie leidenschaftlich, verleiht ihm dramatische Akzente. In diese Spannungskurve platzt dann auch das Solo des Tenorsaxofons von Lars Zander, dessen schrille wie moderat freie Tonfolgen sich voller Passion auszeichnen.
Ein weiterer Titel handelt von Menschen, die schlecht über Dritte reden, das nicht offen, sondern versteckt. Solche Überlegungen führten zu seinen Kompositionen, wie Kenneth erneut so detailliert wie philosophisch vorträgt. Das Thema gehört den Bläsern, die mit dem vokalistischen Gesang von Camilla Haugbjerg unisono agieren. Die elegische Posaune der Kamilė Makarevičiūtė erzählt die Story weiter, mit eigener Intonation der individuellen „Lippen“. Also doch noch ein Gitarren-Solo. Überfällig, fetzig-rockig lässt Lucas Illanes seine Figuren übers Griffbrett huschen. „And the Beat Must Gon On“ sagen nicht nur die Rhythmiker von Bass, Piano & Drums, sondern betreiben es auch derart.
Gegen Ende stellen die beiden Titel „Echo“ und „Gloomers“ noch mal die Bläser in den Fokus des Geschehens. Themen mit Variationen. Präsentiert von der „Sisterhood of Brass“, die durch ein paar wesensgleiche „Brüder der gleichen Zunft“ verstärkt werden. Das markant knarrende Bariton-Solo von Elli Soos setzt diesem Spektakel dann die verdiente Krone auf. Das ist gilt ebenso für „Gloomers“ mit ihrem knackigen wie funkigen Big Band Sound. „Da kann man nich meckern“ sagt der Berliner.“ Tja, mehr Kompliment geht nicht!
Konzertbericht vom 25.08.2023


