Kenny Wheeler Tribute 18.09.26 Kunstfarbik Schlot - 2. Set

Kenny Wheeler Tribute 18.09.26 Kunstfarbik Schlot
Kenny Wheeler Tribute – Music for Large & Small Ensembles
Projekt, Big Band, Tribut
Die folgende Hommage gehört Kenny Weeker, dem Mann mit dem Flügelhorn. Der Initiator des Projektes, der Tenorsaxofonist Markus Busch, nennt sein Projekt nach dem bahnbrechenden Album von Kernny Weeler „Music for Large & Small Ensembles“. Dazu hat es sich bestens aus der Berliner Szene bedient. Ihre Namen zeigen die hohe Qualität der Musiker wie der Vokalistin, nahezu alle haben eine hohe Erfahrung, in Big Bands zu spielen und das ist von den ersten Tönen an zu hören.
Voice: Mirna Bogdanović
Trumpets:
Dima Bondarev, Florian Menzel, Gabriel Rosenbach, Hans Wohlfahrt, Ruben Giannotti
Trombones:
Geoffroy de Masure, Colin Lloyd, Humberto “Tito” Lopez, Julian Bidner
Saxophones:
Oliver Fox, Bruno Bode, Markus Busch, Richard Maegraith, Yannic Rösch-Pasitka
Piano: Yuriy Seredin
Guitar: Kalle Kalima
Bass: Conrad “Cookie” Stephenson
Drums: Finlay Panter
Conductor: Stefan Behrisch
Concept/Organisation: Markus Busch
Das Schlot ist öfters – trotz oder wegen seiner Größe – gut gefüllt. Heute ist es brechend voll, so richtig kuschelig. Die Big Band braucht schon die ganze Größe der Bühne, ist ja auch für Big Band konzipiert, der Dirigent steht – wie es sich „jehört“ - mit dem Rücken zum Publikum.
Der 1. Set ist hier zu finden:
https://www.cosmo-jazz-berlin.de/reviews-einzelseiten-layout/kenny-wheeler-tribute-18-09-26-schlot-1
Der 2. Set
Das Kenny Weelers Album enthält 6 Sätze von „Sweet Time Suite“. Ob alle gespielt werden ist nicht unbedingt zu erkennen, aber Part I, der den 2. Set eröffnet, wohl doch, da er kurz ist.
Die Sätze der Saxofone machen den Auftakt, haben sinfonische Anmutung, die gesangsstimmlich von Mirna Bogdanović verstärkt werden. Der Titel ist für „Large Ensemble“ konzipiert, ist dabei relativ kurz, dient auf dem Album wie hier im Konzert zur empfindsamen Einstimmung in die Musik nach der Pause.
„Sweet Time Suite“Da es ein längeres Stück ist, könnte es sich um Part II und III handeln. Anyway. Das angeschnittene Thema der einsetzenden Bläser klingt vertraut. Ein akzentuierter Rhythmus mit einer Prise Latin unterlegt die Harmonien der Komposition. Die Sätze der Bläser steigern sich, machen dann den „Weg“ frei für ein weiteres Solo des Flügelhorns. Jetzt ist es an Gabriel Rosenbach (Hans Wohlfahrt?, wird geklärt) solistisch die Hommage für Kenny Weeler auf dem Horn zu präsentieren. Das Thema schlägt um in eine Ballade. Demzufolge wird es zur Angelegenheit für das Tenorsaxofon von Oliver Fox, die Tradition des Geschichtenerzählens hier souverän zu demonstrieren. Die intervenierenden Sätze der Bläser überfallen Solisten, Thema, vielleicht auch das Publikum, um sich dann sofort wieder zurückzuziehen, der Posaune das akustische Feld zu überlassen. Das lässt sich Geoffroy de Masure nicht nehmen und zelebriert in seiner speziellen Art seine expressiven wie gewaltigen Power-Improvisationen. Dazu passt vorzüglich der fetzige Big Band-Sound, der jetzt den Raum durchflutet.
Ballade
Der Name des Titels „geht unter“, aber es fühlt sich balladesk an, was die Band erzeugt. Tiele Lagen dominieren, es entwickelt sich ein spannendes Duo zwischen dem Bariton-Sax und der Posaune, das durch Improvisationen des Tenorsaxofons abgelöst wird. Dieser Part ist eine wohltönende Komposition, die rhythmisch durch einen bewegten, frischen Swing, den die Bass-Figuren sowie die Anschläge der Drums forcieren. Dann erhöhen sich Dynamik wie Dramatik, der generierte Sound geht voll ab. Freie Aufschreie der Bläser packen noch mehr Intensität in den Titel. Nach diesem Höhepunkt an akustischer Dichte ist es am Bass, den Song runterzukühlen, zu erdigen, was auch dem Solo von Conrad “Cookie” Stephenson ausgezeichnet gelingt. Unterstützt wird der Bass bei der Runterkühlung von der diskreten Begleitung der Gitarre. Dann interveniert wieder die geballte Kraft der Big Band, bevor ein wohlgefälliges Solo des Tenors die Suite wieder balladenhaft ausklingen lässt.
Der nächste Part der Suite klingt wiederum anders. Einführung mittels der Gitarre von Kalle Kalima, der sparsame Linien anschlägt, keine allzu schnellen Läufe artikuliert. Eine Ahnung von Fusion gar psychedelischem Rock (der 70-ziger) blitzt auf. Es ist ein Stil jenseits der klassischen Jazz-Gitarre. Ganz ohne den Einsatz der Bläser geht es auch bei kleineren Formationen nur bedingt, denn erneut ist die Big Band wieder voll präsent. Nochmals Soli reihum, bevor sich Titel verabschiedet.
Der folgende Gesangsteil könnte auch ein Intermezzo sein, als auch der Beginn des nächsten Parts der Suite. Die verschieden Parts scheinen fließend ineinander überzugehen.
Gesang oder Featuring the Voice of Mirna Bogdanović
Die Stimme klingt an, kein Text, dafür Lautmalereien. Es ist auch kein hergebrachtes, bewährtes Jazz Scatting, sondern eine – damals 1990 – avantgardistische Form der Stimmakrobatik, die sich zu einem zeitgenössischen Format entwickelt hat. Genau das praktiziert Mirna Bogdanović mit ihrer Stimme, ihren Tonfolgen in gekonnter Weise. Auch Einflüsse aus anderen Musikkulturen der Welt - wie Latin – scheinen in ihrem „Singen“ enthalten zu sein. Nach dieser Einführung durch die Stimme macht ein gefälliges Bass-Solo weiter, um dann von einem ebenso schönen Solo des Alto Sax abgelöst zu werden. Schon Schluss?
Denkste, denn ein expressives Duo zwischen der Posaune von Geoffroy de Masure und der Gitarre von Kalle Kalima macht weiter. Die sind völlig losgelassen, werfen sich frei auch frei tönende „Bälle“ zu, entfachen ein unbändiges Intermezzo. Überfällig, ein Solo der Drums. Hat sich Schlagzeuger Finlay Panter bisher stark zurückgehalten, so wäre jetzt ein wildes, aus Sich-Heraus-Gehen angebracht und verständlich.
Aber Überraschung. Das Gegenteil ist der Fall. Finlay Panter trommelt auch jetzt verhalten, überlegt und diskret. Aber warum nicht? Dann bläst die Kraft der Big Band den Reigen aus. Nix da, denn es geht weiter. Der Rhythmus swingt munter vorwärts und Flügelhornist Florian Menzel kann noch mal ein locker beschwingtes Solo in den Sound blasen. Auch Tenorist Richard Maegraith hat noch ein Solo offen, was er leidenschaftlich nun dem Publikum um die Ohren bläst: volle Kanne, volles Rohr.
Alles, was den Sound der „Projekt-Band“ bisher auszeichnete, kommt noch mal voll zum Tragen, zum Hören, zum intensiven Erleben - Kenny Wheeler Tribute – Music for Large & Small Ensembles. Besser ist das nicht zu machen!



