Konzert auf der Jazzahead Bremen


Konzert auf der Jazzahead Bremen 30.04.2022


Album The Painter

Tobias Meinhart – Tenor- & Sopranosaxophone

Eden Ladin – Piano

Matt Penman – Bass

Obed Calvaire - Drums


Das Tenorsax legt stimmführend los. Tobias Meinhart intoniert noch etwas zurückhaltend, bläst klare Linien. Der Thema entwickelt sich in logischer Stringenz; ein rhythmisch akzentuiertes wie versiertes Spielen des Quartetts ist das Ergebnis. Das Tenor entwickelt stetig, variiert das Thema. Der Mann an den Drums, sein Trommeln springt sofort in Ohr und Auge. Obed Calvaire ist ständig mit vielen kleinen Noten, Anschlägen und Nuancen zu hörten. Das Solo des Tenors wird zunehmend intensiver, freier im Ausdruck. Ebenso zeigt sich das solistische Piano von Eden Ladin. Permanent sind Drums & Bass dabei, mehr als die rhythmische Basis zu legen, stattdessen ist permanentes Variieren des Themas angesagt. Sie erreichen es durch „pausenfüllendes“ solistisches Spielen zwischen den einzelnen Takten. Hier auf der Jazzahead spielt ein erstklassiges Quartett einen zeitgenössischen Jazz ihres jüngsten Albums The Painter - mit Kenntnis des traditionsreichen Sounds des Tenorsaxofons. In Tobias Meinharts Spielweise ist es zu hören, live zu erleben.

Da die Konzerte der Jazzahead-Messe nur kurze Statements erlauben, ist schon das Bass-Solo an der Reihe. Die ersten Töne lassen sofort erkennen, über welche Fähigkeiten Matt Pentan verfügt: virtuoses Spielen des akustischen Basses. Auch anwesend: Kathrine Windfeld. Die Dänin leitet eine aufregende Big Band, die ebenfalls auf Jazzahead zu hören war. Sie äußert sich lautstark: „Toll, was für ein fantastischer Bassist“ Ja, das zeigt sich nicht nur bei seinen Soli, sondern mehr noch beim mitgestaltenden Spiel im Quartett. Matt Penman kriegt zusätzlich den Support durch den nimmermüden Drummer samt einzelnen Akkorden des Flügels. Wiederholung des Themas durch Tobias Meinhart, der den Titel sanft verabschiedet, um in seinem unbegleiteten Solo den nächsten Song vorzubereiten. Das ist ein expressives Stück, energetisch ausgelassen mit rhythmisch wie harmonisch ausgefuchsten Motiven.


Stilistischer Wechsel – The Painter. Der Bass macht mit balladenhaften Figuren den Anfang: bedächtig, ruhig, sparsame Noten. Jetzt alle. Gepresste Tönen aus dem Tenor, Ostinato-Motiv des Basses, zart streicheln die Besen des Trommlers die Becken, vereinzelte Akkorde und einige Läufe entfliehen dem Flügel. Das Thema darf Eden Ladin vorstellen. Eine sehr ruhige herbstlich anmutende Ballade ist das Ergebnis. Bass und Drums halten sich sehr zurück, überlassen dem Pianisten die solistische Bühne. Tobis Meinhart bläst seine Farben in den Song. Der Titel nimmt stärker einen pathetischen, ja hymnischen Charakter an. Tobias Meinharts Tonfolgen und Farbtupfer sind jetzt intensiv, steigern sich, mitunter freie Tonbildung. Ja, das ist jetzt eine klassische Hymne. Eine Hommage, eine Verehrung an den großen Tenorsaxofonisten Trane?


Tobias Meinhart stellt seine Band vor. Alle in NYC lebend, alle aus verschiedenen Ecken der Welt kommend - Eden Ladin aus Israel, Matt Penman aus Neuseeland. Obed Calvaire habe haitianischen Wuzeln und sei ein „unglaublicher“ Drummer, erläutert Tobias Meinhart und fährt fort: Das eben Gehörte sei der Titelsong des aktuellen Albums The Painter. Ja, ein sehr treffender Titel.


Bass & Drums erwecken ein akzentuiertes Thema zum Leben. Beide spielen mit Inbrunst, sehr konzentriert. Es scheint jetzt stärker ein Bass-Solo mit Schlagzeug-Unterstützung zu sein. Aber gefehlt, denn Obed spielt rhythmisch wie melodisch perfekt mit seinem Kollegen an den Saiten im Duo zusammen. Alle sind in das Duo so vertieft, um fast zu erschrecken, wenn plötzlich Akkorde aus dem Flügel erschallen, das Tenorsax sich Luft macht.


Ein moderates Thema im mittleren Tempo, in das der Tenorist seine Tupfer setzt, seine Sequenzen bläst, seine expressiven Bögen spannt. Der Rhythmus wirkt akzentuiert, irgendwie geradlinige Beats, aber auch subtil swingend, auf jeden Fall sehr raffiniert dargeboten. Das liegt am Zusammenspiel des fantastischen Trommlers und mit seinem kongenialen Kollegen am Bass. Das leider nur kurz erklingende Piano-Solo bewegt sich stilistisch in Nähe des großen McCoy Tyner. Bass und Piano halten den Takt, präsentieren ein einfaches Riff und bereiten so die Bühne für den Drummer. Sein Spiel spricht für sich. Jazz-Trommeln auf höchstem Niveau. Dann verabschiedet das Tenorsax Titel wie Konzert.

Autor: Cosmo Scharmer