Magnus Lindgren & John Beasley A-Trane 05/06.06.24 «Butterfly Effect» Release-Konzert



John Beasley – piano
Magnus Lindgren- flute, tenor sax, clarinet


Weitere Titel im Detail


Heart Beat


Auch der folgende Titel sei der jungen Tochter von Magnus gewidmet. Weil Babys über einen schnelleren Herzschlag verfügen, reflektiert der Titel „Heart Beat“ diese hochfrequenten, rhythmischen Schläge – da dam, da dam. Also simuliert der Song einen schnellen, gesunden Sinus-Rhythmus´ eines Kindes. Demzufolge  tönt es jetzt auch ein wenig nach Funk. Digitale Keyboards, die perkussiv erklingen plus einem effekterhaschenden Gesang sind mit von der Partie. Die Flöte legt ihre überblasenen Sequenzen über den perkussiv-lastigen Hintergrund, der in einer Endlos-Schleife – also ein echter Loop – raunt. John wechselt von seinem digitalen Leitstand mit Keyboard zum Flügel, um ein zackiges, unbändiges wie expressives Solo zu erzeugen. Flötentöne wie Loop machen pausenlos weiter, wobei auch die Flöte einen gewissen „perkussiven“ Ausdruck annimmt, insofern das möglich ist. Auch das Piano ist nun mit kräftigen, härteren Anschlägen zu hören, laut wie eindringlich passt es sich dem digitalen Hintergrund an – einen Charakter von Klamauk kann man dem Titel nicht absprechen, aber dem Duo wie auch dem Publikum macht es offensichtlich großen Spaß.


Ohne Titel

Vermutlich hat der Song einen, aber der wird nicht verraten. Klassische Einführung wie bei einen Piano-Jazz-Trio, nur ohne Bass & Drums. Ein Bezug zur Tradition im Jazz blitzt im Spiel von John Beasley auf, ein wenig Gershwin schimmert durch, auf jeden Fall ein Standard, die Harmonien verraten ihn. Das Tenorsax von Magnus Lindgren macht mit, nimmt den harmonischen Rahmen und die vorgeschlagen Ideen des Pianos auf, variiert sie weiter. John Beasley will ‘s jetzt wissen und bringt ein jazzklassiches, aber höchst eigen interpretiertes Piano-Solo auf den Weg. Da kann das Tenorsax nicht abseits stehen und zeigt, was Sache ist: verschlungene Tonfolgen, expressive Salven verlassen das volle Rohr. Auch Magnus Lindgren spielt mit traditionsbezug. Das war ein Stück von Dave Brubeck im 4/4-Takt, erläutert John in seiner Ansage. Aber nicht das legendäre Take Five mit den 5 Beats. Das sei ja auch von Paul Desmond, wie das sachkundige Publikum einwirft.


Das nächste Stück wird durch ein tiefes Grollen und Rollen des Pianos eingeleitet, über das die Flöte ihre Linien bläst. Das rhythmisch akzentuierte Spiel von John Beasley gipfelt in perlenden pianistischen Improvisationen. Die Flöte versucht eine gediegene Begleitung zu geben, was jedoch wegen des Klangcharakters des Instruments nur luftige Splitter sein können. Unisono verabschiedet sich das teils erdige, teils luftige Thema, sorgt alles in allem für gute Laune, die auch das Publikum ergreift.


Sinfonische (titellose) Ballade von Wayne Shorter

Nun, die Streicher und der Rest eines Orchesters sind hier nicht dabei, aber Titel mit hoher Substanz können auch im Duo überzeugen. Kammermusikalische Impressionen wie lyrische Tonfolgen des Pianos legen vor. Ein Thema nimmt Gestalt an, das Tenor teilt die Melodie, um darauf das Thema solistisch fortzuführen. Wenige, sparsame Sequenzen verlassen das Sax, der poetischen Ballade angemessen. Das ist was zum Schwelgen, zum Tagträumen, auf jeden Fall eine wunderbare (Liebes)Ballade der Tenorsax-Legende Wayne Shorter. Das Piano-Spiel von John erweckt Assoziationen an den stilbildenden Bill Evans. Zu diesen wunderbaren Klängen bläst das Tenor seine eleganten Linien, verschönert den Titel.


Das wäre eigentlich ein schöner Höhepunkt und Schluss des Konzertes gewesen, aber es gibt noch 2 weitere Titel wie auch die Zugabe. Die Stücke sind von der Struktur und der spontanen Spielweise ähnlich dem zuvor Gehörten. Zum Teil überwiegen stärker rhythmisch markante und stakkatohafte Themen, mal sind es weiche, fließende Kompositionen mit Balladen-Charakter. Auch elektronische Spielereien mit minimalistischen Einschlag werden nochmal angeboten. Und die Schmetterlinge sind stets dabei, ihre akustischen Flügel-Schläge zu machen, sie sind nur zu entdecken.












Konzertbericht vom 25.08.2023