Paul van Kemenade Classic Quintet 23.05.24 Schlot - 2. Bericht von Dietmar Dirmoser

Jeroen van Vliet - Piano
Eric van der Westen - Bass
Pieter Bast - Schlagzeug
Louk Boudesteijn - Posaune
Paul van Kemenade – Altsaxofon, Komposition
Die Titel im Detail in chronologischer Reihenfolge
Fortsetzung des 1. Konzertberichtes
4) „Suite für Robie“
Der Titel klingt nach enger Freundschaft, könnte eine gefühlsbetonte Ballade werden. So ist es auch. Altsaxofon und Piano legen mit Bedacht vor, spielen als Duo das Thema an, stimmen auf den balladesken Song ein. Die andern machen jetzt mit, das Stück erfährt eine leichte triste Note. Unisono vertonen Altsax, Posaune und Bass unisono das Titelthema, während das Piano von Jeroen van Vliet akzentuierte Akkorde schlägt. Latin Beat blitzt auf, aber nur kurz angerissen, um dann in einen rockigen Rhythmus zu springen, der schnell in einem akkuraten Swing mündet. Die Band spielt viele Figuren wie Motive, wechselt die Harmonien und Rhythmen mit atemberaubender Schnelligkeit. Da ist schon beim Hören kaum mitzukommen, geschweige denn bei den Notizen für den Konzertbericht. Die Musik hat sich zu einem akustischen Tsunami aufgeschaukelt, der sich dann in einem Swing wieder erdet. Gegen Ende betonen die Bläser mit melodischen Schwingen wieder die Ballade.
5) „Gato“
Damit ist natürlich der argentinische Tenorsaxofonist Gato Barbieri gemeint. Der sei einer seiner Vorbilder auf dem Saxofon gewesen, erläutert Paul in seiner Ansage. Das wird ein intensives, sehr eindringliches Stück von großer Dichte. Das kollektive Spiel aller ufert nach und nach aus, die Harmonien verlieren sich und stattdessen erobern sich freijazzige Klangwelten den Titel. „Alter Schwede“, möge man den Musikern zurufen, aber das würde wohl unverstanden bleiben, „Alter Holländer“ wäre kontraproduktiv. Nachdem sich das Quintett im Stil des zu würdigen Gato - nach allen Regeln der freien Kunst - ausgetobt habt, ist es am Bass, Thema wie Publikum wieder zu runter zu kühlen. Eric van der Westen kann jetzt im unbegleiteten Solo zeigen, warum er beim Classic Quintett solange dabei ist, und warum sein Bass für das Spiel der Gruppe unverzichtbar ist – Bassisten, die Arbeiterklasse im Jazz.
6) „New Times are Comming“
Das ist ein andächtiger Titel in balladenhafte Ausprägung. Der Bass liefert wohltönende Figuren, die Drums werden mit den Besen gerührt, dann touchiert. Das Piano übernimmt die Themenführung und erweckt einen kammermusikalischen Piano-Trio-Jazz zum Leben. Dann ist es an Jeroen van Vliet kundzutun, was in seinem Flügel steckt, nur darauf wartet, rausgelassen zu werden. Das sind tiefe Akkorde wie filigrane Läufe, die Hand in Hand gehen, bestens die Ballade verschönern. Satte Klänge des Basses wie subtile Schläfe der Drums runden ab. Auf dieser Basis ist es ein Leichtes für die Bläser, nochmals solistisch zu glänzen. Das vorzügliche Solo von Posaunist Louk Boudesteijn hat alles, was für das Instrument charakteristisch und den Titel bereichernd ist. Dan setzt Paul van Kemenade ebenfalls zum Solo an und bläst konterkarierend zum Geist des Ballade: scharfe, schneidende Intonation, agile wie insistierende Schleifen und Salven.
7) „Call“
Als Zugabe gibt´s noch den klassische Rausschmeißer aus dem sehr frühen Album Call der 80-ziger. Die rhythmische Basis ist treibend wie packend akzentuiert. Drüber erhebt sich ein fanfarenartiger Sound, den die Bläser mehrstimmig in ihren verschachtelter Sätzen intonieren. Das ist so ein „Never let it End-Titel“, den das Quintett nicht aufhören kann zu spielen, und das Publikum kann es nicht lassen, ihn zu hören – dem Ruf von Call willig zu folgen.
Anmerkung: Die ersten 3 Titel sind im 1. Konzertbericht enthalten.



