Tobias Meinhart Berlin People 05.04.25 ZigZag

Tobias Meinhart Berlin People 05.04.25 ZigZag
Tobias Meinhart - Tenorsaxofon
Ludwig Hornung - Piano
Tom Berkmann – Bass
Mathias Ruppnig - Drums
Das „Sonic River Berlin Konzert“ im ZigZag
Weitere Titel
„Silencio“
So wie der Name des Titels (ein Gedicht), so klingt er auch. Dem Titel entsprechend, beginnt das Saxofon mit ruhigen wie leisen Klängen. Tobias Meinhart „beschwört“ in seinem Phrasen die Stille in der Musik, die Zeit zwischen den Tönen, das Intervall zwischen den Takten. Das Erzeugen von Stille mit Tönen ist eine schwierige Herausforderung in der Musik, auch im Jazz. Das Quartett der Berlin People ist sich dieser Anforderung bewusst, erfüllt sie mit ruhiger Gelassenheit. Derart greift Ludwig Hornung in die Tasten seines Flügels, erzeugt einen balladenhaften, meditativen Sound. Auch Bassist Tom Berkmann kann zeigen, wie sich Stille auf dem Kontrabass manifestiert: wenige Töne, ausgereifte Sequenzen, getreu der Maxime von Bass-Legende Charlie Haden: weniger ist hier mehr. Dem Tenorsaxofon obliegt es, die Titelmelodie sanft zu wiederholen. Auch Drummer Mathias Ruppnig nimmt seinen Besen, um den Rhythmus diskret „rührend“ dem Song anzupassen. Dann werden die Anschläge der Drums ein wenig lauter und schneller, um sobald erneut der Stille zu frönen – Silencio.
Ansage von Tobias und ein paar Worte zur Entstehung des Titels, den er im (mediterranen) Sommer komponierte und der demzufolge „Summer Song“ heißt.
Ein Rhythmus, der treibt, zupackend sich vorwärts bewegt. Da sind mehr rockige Beats und Funky-Anschläge als swingende Elemente zu hören. In diesen rhythmisch geprägten Sound bläst Tobias Meinhart seine rauchigen Sequenzen auf dem Tenor. Das macht er so expressiv wie lustvoll, bleibt dabei im harmonischen Kontext der Komposition. Neben dem Schlagzeug liefert auch Ludwig Hornung leidenschaftlichen Einsatz beim Realisieren seiner Figuren, die er aus dem Flügel schlägt. Währenddessen rockt der Rhythmus unbeirrt weiter. Kurze Themenwiederholung durch Sax & Piano, dann ist die Funky Time vorbei – „sich Over“.
Eine Komposition von Tom Berkmann verbleibt mit den „Aqua Ponys“ in melodischen Gefilden der brandenden See. „Seepferdchen“ übersetzt Tobias den lustigen Titel, der zoologisch wohl anders heißen mag. Darüber hinaus erfährt das Publikum, dass Tom Berkmann Berlin in Richtung Australien (Perth) verlassen hat. Auch dass Mathias Ruppnig jetzt „jwd“ wohnt (für Neuberliner: janz weit draußen) in Leipzig oder war´s Dresden? Einerlei, in einem etwas weiteren Sinn rechnen wir alle Mitglieder der Berlin People nach wie vor zur Berliner Szene.
„Aqua Ponys“
Diese sind – so wie der Song zuvor – was für melodische Gourmets. Dezente Tastenanschläge des Pianos, vom Bass mit Figuren abgerundet und von den Drums mit vorsichtig geschlagenen Klöppeln unterstützt. Darüber intoniert Tobias seine wohlklingenden Linien und Schleifen, die stetig variiert werden. Das Thema nimmt Fahrt auf, fängt fantastisch zu swingen an. Leicht, locker bewegt sich der musikalische Strom, deren Elemente sich wie die Seepferdchen im türkisfarbenen Meer der Ballade tummeln – Töne wie Gefühle. Dieses Bilder werden vom Piano in Klangwelten umgesetzt: seine Tonfolgen sind das Meer, während die nun einsetzenden Sequenzen des Saxofons eher die sich bewegenden Ponys thematisieren. Das Solo des Tenors beinhaltet ausgereifte, er-improvisierte Tonfolgen. Tobias ist sich der großen Tradition des Geschichten-Erzählens auf dem Tenorsaxofon sehr bewusst, lässt dies auch deutlich erkennen ohne dabei seine Individualität aufzugeben. Nach einigen ruhigen Wellenschlägen schwimmt der Song dann auf und davon …
Ansage und wiederholte Vorstellung der Band. Mit dem schönen Titel „The Painter“, einer wohlklingenden, lyrischen Ballade, in der das Saxofon noch mal mit Groove glänzen kann, endet das Nachmittagskonzert in einem akzentuierten Swing und nutzt die vollen 1,5 Stunden kompakter Musik bis kurz von 20 Uhr. Die nächste Warteschlange ist schon gut bestückt, um Berlin People zu erleben.



