XJAZZ 2022 Alma Naidu im Orania


07. Mai 2022 XJAZZ Berlin


Silence Pays Your Song macht den Anfang. Zusammen mit einem Trio aus Drums, Bass, Gitarre, das - wenn Alma Piano spielt - zum Quartett wird, erweckt Alma ihre Songs, Lieder und Balladen zum Leben. Das sind überwiegend Songs aus ihrem aktuellem Album Alma. Auch Hold On To Me entpuppt sich als Ballade. Ihre Stimme insistiert, gewinnt an Höhe, zeigt sich in der emotionalen Aussage expressiver. Dagegen lockt der rockige Titel Hard Pace mit bluesigem Charme. Zunächst unbegleiteter Gesang, verstärkt die solistische Gitarre dann den Charakter des Themas, dabei rockige Akkorde bevorzugend. Dazu brummt ein aufmunternder Bass seine passenden Läufe. Almas Gesang bevorzugt jetzt lyrische, balladeske Farben. Szenenwechsel. Die Sängerin übernimmt das Piano, singt zum Spielen oder spielt zum Singen. Wohl letzteres ist eher zutreffend. Eine virtuos aufspielende Pianistin wäre auch dann auch des Guten zu viel. Die Band begleitet ihre pianistische Sängerin sanft im Hintergrund.


Richtig rockig geht´s weiter. Something´Bout The Rain erhält sogar dramatische Züge, die auch sentimentale Nuancen annehmen. Aber nicht zu viel davon, ein jammendes, wehleidiges Klagen ist nicht auszumachen. Bei Walberta stehen Lautmalereien, also Scatting im Fokus. Folkloristisch inspiriert betonen Bass und Gesang in unisono gespielten Melodielinien eine gewisse Verbundenheit zu keltisch-irischen Liedern. Die Drums verwenden die sanfteren Klöppel, die Gitarre kann es nicht lassen, ein Solo zu spielen. Aber den „tieferen Sinn“, den verpasst der Bassist dem Song, einfach durch das Zupfen seiner Saiten.

Nach kurzem Ausflug in eine etwas orientalisch anmutende Weise mit einer Spur Klezmer, kommt die Musik wieder auf einen blues-rockigen Boden. Auch hier drängt sich Almas Scatting in den Vordergrund. Ihre Lautmalereien gehen auf Reise, senden ein wenig Samba ins intime XJAZZ-Wohnzimmer im 5. Stock des Hotels Orania. Dann ist ein rockiger Funky-Beat angesagt. Der Gesang, ihr Scatting schraubt sich entfesselt in die Höhe, fordert die Drums zum Wettstreiten auf. Der lässt sich das nicht nehmen und bearbeitet mit wildem Engagement seine Trommeln. Danach kehrt wieder Ruhe sowie Bodenhaftung ein. Was dem Drummer recht ist, ist dem Bassisten billig. Nach einem Duo mit Alma zelebriert er die Klangfarben seines Instrumentes. Rhythmisch wie melodisch Figuren und Motive harmonisch verbindend, erspielt er sich ein ausgezeichnetes Solo. Seinen runden, akustisch klingender Ton des E-Basses hat es sich einst von Jaco Pastorius ausgeliehen. Jetzt macht er es zu seiner individuellen Tonfärbung. Ansonsten betreiben Bass und Drums sehr uneigennützig ihr Spiel, sind unaufdringlich, aber wirkungsvoll.



Find Love Everywhere You Go ist dann der Rausschmeißer-Song. Alma haut jetzt singend in die Piano-Tasten. Eine winzige Spur Tristesse kann das Lied nicht verbergen. Da hilft dann nur der anwesende XJAZZ-Publikums-Chor, der tatkräftig unterstützt. Mit Hilfe der jetzt primär rhythmisch spielenden Band wird aus der Ballade noch ein Funk. Und wenn jetzt Almas Stimme noch richtig den Soul rauslässt, so würde das ihrer Kollegin Lady Blackbird sicher gefallen. Dem Publikum gefällt´s auch und erkämpft sich eine echte Zugabe, die wegen des engen Zeitrahmens des Festivals eigentlich unmöglich ist.

Autor: Cosmo Scharmer