XJAZZ! Festival 1. Jam Session mit Olga Almechenko – 11.05.24 - Fluxbau

Next song. Die Trompete ist sofort dabei, bläst ihre Sequenzen. Von den Harmonien her ist das eher eine Ballade, jedoch auf rhythmisch fetziger Grundlage. Das muss kein Widerspruch sein. Nun ist es aber an der Zeit, Olga Almechenko und ihren dem Alt-Sax, Gelegenheit zum Glänzen zu geben. Das tut sie auch und bläst agil die für ein Altsaxofon typischen Schleifen (Loops) in den Titel wie in den Fluxbau: schnell, beweglich, hochlagig, rastlos antreibend. Rhythmisch präsentiert sich ein gerader Beat, den der Bassist zu seinem Solo nutzt, um lässige, wie unaufgeregte Figuren zu kreieren. Uri Gincel will nicht von seinem E-Piano lassen, erzeugt solistisch eben diese kristallklaren Tonfolgen. Nachdem bekannt wird, von wem der Titel stammt, ist das auch verständlich: Chick Cora. Der Name des Songs geht in der Ansage unter Applaus unter.
Im diesem Genre wird weiterhin kräftig musiziert:
Butterfly von Herbie Hancock ist an der Reihe.
Jetzt brandet es prägnant jazz-rockig auf. Ihre Interpretation des Original will es genau so. Dieser akzentuierte Beat wechselt fast unmerklich in eine diskrete Funk-Variante, durch Bass und besonders durch die Spielweise des Drummers bedingt. Klatschen des Publikums nach dem Piano-Solo. Weil das Solo beendet ist? Oder weil das Stück aus ist? Nix da, denn Olga Almechenko macht mit ihren Alt einfach weiter. Sie entlockt dem Saxofon wohltönende Linien voller Ausdruck und Emotionalität. Währenddessen läuft der Beat cool weiter, dabei bewegt, mitreißend.
Die engagierte Spielweise von Olga Almechenko beinhaltet einen Stil oder ein Genre, das oft als Post-Bob bezeichnet wird. In ihren Improvisationen sind jedoch auch einzelne Figuren und Komponenten des Bebop´ enthält, wenn auch in aktueller Ausgestaltung. Das liegt einseits an ihren sich hochschraubenden Schleifen und anderseits an der Art des Trommelns von Tobias Backhaus. Nun, Titel wie Soli verfügen über viel Groove, der gut rüberkommt. Jetzt tönt es auch mal freier als im klassischen Bob – so ein Tick fetziger Free Bob. Altdeutsch ausgedrückt: „Ab geht die Post“. Dann gibt es noch Zugaben, aber der 1. Set der Jam Session nähert sich dem Ende. Die 2. Jam Session hätte bestimmt noch weitere Überraschungen parat. Vielleicht mit einem Tenorsaxofon oder einer Posaune?
Leider ist es dem Autor nicht vergönnt, länger zu bleiben. Dem dokumentierenden Journalisten verlassen die Kräfte. Die Berichte dieses und andere Konzerte des Festivals müssen noch geschrieben, korrigiert und online publiziert werden. Und morgen warten noch weitere Konzerte! Soviel in eigener Sache.
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